27/09/2024

Japanischer Garten Buenos Aires

Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt mit dem Japanischen Garten. Beim ersten Mal im Juni 2023 war mir die Schlange zu lang. Im Dezember war dann geschlossen. Heute war offen und die Schlange nicht zu lang. Trotzdem gab es am Freitagvormittag um 11 Uhr eine kleine Schlange und fast alle um mich herum haben Spanisch gesprochen. Auch die Cafés und Restaurants in der Nähe total voll. Und gleichzeitig heißt es heute in der Zeitung, dass mehr als die Hälfte der Argentinier in Armut lebt. Irgendwie definieren die Armut auf ziemlich hohem Niveau, ist so mein Eindruck. Oder sie versteckt sich. Mal abgesehen von den Obdachlosen sehe ich keine Armut. Wenn ich da an São Paulo denke oder auch an die Bettler in Santa Cruz de la Sierra. Nun denn. 

Ansonsten macht Western Union Deutschland jetzt auch Probleme mit Kartenzahlung. Das gleiche Spielchen wie bei Western Union USA. Ein paarmal funktioniert es problemlos und dann behaupten sie, es geht mit der Karte nicht mehr. KLARNA hat auch nicht geklappt, sodass ich eine Überweisung machen musste und jetzt auf die Bestätigung warte, dass das Geld verbucht wurde und ich es abholen kann. Argentinien und Geld macht einfach keinen Spaß. Was das betrifft, freue ich mich auch auf Europa. 

Meiner Vermieterin habe ich gesagt, dass ich den Vertrag nicht noch einmal verlängern werde. Er endet am 4. Januar. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass ich im November eine Nachricht von Migraciones bekomme, dass ich verschwinden soll, aber ganz ausschließen kann ich es natürlich auch nicht und deshalb dachte ich, es ist besser, flexibel zu bleiben. Es gibt genug Airbnbs zu vernünftigen Preisen in Buenos Aires. Das wird kein Problem sein, im November oder Dezember etwas zu suchen und nochmal ein Stadtteilwechsel ist ja auch nett. 












Das Mittagessen war dann mexikanisch. Ich gehe ja nur sehr selten ins Restaurant, aber ab und zu ist es doch nett. 


Enchiladas suizas inklusive Nachos und Getränk für 13500 Pesos. Das sind ca 10 Euro, kommt immer drauf an, welchen Wechselkurs man nimmt, aber Argentinien ist ganz klar nicht mehr so billig wie letztes Jahr und auch ein Grund, warum ich nicht mehr so oft ins Restaurant gehe. 

15/09/2024

Entscheidungen und Frühlingsgefühle

 

Ich kapituliere vor der argentinischen Bürokratie und gehe nächstes Jahr zurück nach Europa. Sechs Wochen bin ich von Pontius nach Pilatus gelaufen. Habe es sogar geschafft, ein Bankkonto zu eröffnen - nur um mir dann sagen lassen zu müssen, dass ich mir kein Geld aus dem Ausland überweisen kann, weil ich kein Ausweisdokument habe. Denn ein Pass ist nur zum Reisen da. Ein Ausweisdokument ist das nicht. Der Tussi, die mir das gesagt hat, hätte ich am liebsten rechts und links eine gescheuert, aber an dem Tag hatte ich letztlich schon die Entscheidung getroffen, dass ich mir dieses Theater nicht länger antue. 

Die Reaktionen aus Europa waren positiv und ich selber bin endlich wieder entspannt und habe wieder Lust, etwas zu machen. Hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der Winter vorbei ist. Keine dicke Jacke mehr und die Bäume werden so langsam alle wieder grün. 

Dies war ein Ausflug zum Friedhof Chacarita. Der liegt ja gleich um die Ecke. 





Wenn Lionel Messi in Argentinien ist, sieht er überall Fotos von sich. Das stelle ich mir ziemlich irritierend vor: 

Ich habe das Immigrations-Museum besucht, aber die Ausstellung selbst war nicht so extrem interessant. Allerdings haben sie eine Datenbank und konnten mir sagen, wann genau und mit welchem Schiff Sergios Großvater angekommen ist. Haben mir sogar ein Zertifikat der Ankunft ausgedruckt. Das Museum ist im ehemaligen Hotel de los Inmigrantes. Dort sind viele der Einwanderer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst untergekommen. 





Heute bin ich zu einem Markt im Parque Centenario gegangen. Einen Stadtteil weiter, dort, wo ich im Februar gewohnt hatte und das Problem mit den Stromausfällen hatte. Nicht weit von hier, drei Stationen mit der U-Bahn. 




12/08/2024

Bürokratie-Ärger und Theater

 

Bin gerade aus dem Theater zurückgekommen. Wieder eine Adaption eines alten Hollywood-Films. "Legally blonde/Natürlich blond" hieß er und entsprechend "Legalmente rubia" auf Spanisch. Was die Argentinier in Sachen Theater auf die Beine stellen, muss sich nicht hinter dem Broadway oder Londons Westend verstecken. Die sind richtig, richtig gut. Hatte mir auch etwas Nettes verdient, denn die Woche war ziemlich doof. 

Nachdem ich am 29. Juli erfolgreich mein Certificado de Domicilio bekommen und alle Dokumente bei Migraciones hochgeladen hatte, bekam ich schon am 1. August einen Termin bei Migraciones. Das war zwar in Sachen Wartezeit und Lautstärke supernervig, aber die Sachbearbeiterin war sehr nett.  Ich musste ein Formular ausfüllen, wo ich die letzten drei Jahre verbracht habe, und das war zweisprachig: Spanisch und Russisch 😀. Tatsächlich sprach um mich herum fast alles Russisch. 

Blöd war, dass ich das falsche Führungszeugnis aus Peru mitgebracht hatte. Aber Sergio hat es tatsächlich geschafft, mir innerhalb eines Tages das richtige zu besorgen. Kommt morgen per DHL an. Ich bekam trotzdem eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis und den Auftrag, ein Bankkonto zu eröffnen und 2000 Dollar nach Argentinien zu überweisen. 

Tja, und da finden die Probleme an bzw haben die Banken mir die Woche versaut. Fünf Stück habe ich abgeklappert. Vier meinten, sie können mir nur ein Konto eröffnen, wenn ich die Aufenthaltserlaubnis und die argentinische ID-Karte habe und eine Bank meinte, es ginge nicht, weil mein Pass 9 Nummern bzw. Buchstaben hat, das System aber nur acht zulässt. Nach Bank 5 hatte ich keinen Bock mehr auf weitere Versuche.

Sergio hat nun seinen Bruder in La Plata auf das Problem angesetzt und meinte, notfalls käme er selber. In Peru ist das ja der gleiche Witz. Ohne Bankkonto keine Aufenthaltserlaubnis und ohne Aufenthaltserlaubnis kein Bankkonto - außer man kennt Leute in den Banken, die es doch machen. Wenn Sergio und sein Bruder es schaffen, in Argentinien so ein Netzwerk aufzubauen, dann kann er tatsächlich auch hier Klienten finden. Bei Migraciones hatte auch mehr als die Hälfte der Leute einen Babysitter (= Anwalt) dabei. 

Sergio ist also optimistisch. Ich dagegen habe schon mal einen Blick auf Wohnungen in Ungarn geworfen 😁. Und war mehr als leicht schockiert. Die Airbnb-Preise sind unter aller Sau. Normal Wohnung mieten sieht besser aus. Aber ich will nicht aus Buenos Aires weg. Die Stadt ist genial (ja ich wiederhole mich, aber sie ist wirklich genial), sicher und die Argentinier sind mit Abstand die nettesten und höflichsten Latinos. An den Bushaltestellen bilden sie eine Warteschlange und es gibt kein Gedrängel beim Einsteigen in die U-Bahn. Wenn eine Bahn zu voll ist, versuchen sie nicht auf Teufel komm raus reinzukommen, sondern warten auf die nächste. 

Die Fotos unten sind von einer Ausstellung, wo jede Provinz ihre Produkte vorgestellt hat. Viecher waren auch da. Dieses Land ist wirklich interessant. 








18/07/2024

Winter in Buenos Aires

 

Stadtteil Palermo. Liegt gleich neben meinem Stadtteil. Dort bleiben die meisten Touristen, vor allem die jüngeren, weil es viel Nightlife gibt. 

Paul French Gallery - Ein bisschen overpriced, aber sehr nett. 

Das ist nicht meine Wohnung, sondern ein Geschäft. Ich mag die Kissen :-)

Eingang zur Paul French Gallery. Ich muss gestehen, dass Instagram hilft, interessante Ecken in Buenos Aires zu entdecken. 

Blumenladen. Pflanzen stehen auf meiner Einkaufsliste, aber nicht ganz oben. 

Der Flug von Lima nach Buenos Aires war zwar stressig, da Abflug um 22 Uhr und Ankunft Ortszeit 4:00 Uhr, aber ich habe es überlebt. Meine Vermieter standen noch am Ankunftstag um 13:00 Uhr auf der Matte, um ihr Geld abzuholen. Habe drei Monate im Voraus bezahlt, US$ 1500 insgesamt. Natürlich cash. Sergio hatte mir hübsche neue 100-Dollar-Scheine besorgt. So, wie die Argentinier es mögen :-). 

Die Beantragung meines Visums habe ich gestartet und auch schon alle Gebühren bezahlt. War nicht so sehr teuer, weniger als € 100. Nun brauche ich allerdings noch ein Certificado de Domicilio. Das ist so etwas ähnliches wie eine Anmeldebescheinigung in Deutschland. Allerdings reicht mein Mietvertrag nicht. Ich muss mit zwei Zeugen zur Stadtverwaltung gehen. Also zwei Menschen mit einem argentinischen Personalausweis, die gewissermaßen meine Adresse bestätigen. Ist absolut sinnfrei. Ich habe das Hausmeisterehepaar gefragt. Dummerweise ist die Frau gerade bei ihrer Familie in der Provinz. Hier sind ja Winterferien. Deshalb konnte ich den Termin erst für den 29. Juli machen und sie werden mich dann begleiten. Wenn ich dieses Certificado de Domicilio habe, kann ich mit Schritt 2 weitermachen und alle Dokumente hochladen, die sie sehen wollen. 

Ich werde ein bisschen häuslich, habe sogar schon zweimal gekocht. Die Küchenausstattung ist nicht so super, aber das wusste ich. Einige Kleinigkeiten habe ich schon gekauft, aber ich will natürlich nicht wer weiß wie viel Geld ausgeben, solange mit dem Visum noch nichts sicher ist. 

Letzte Woche habe ich eine Deutsche kennengelernt, die schon seit 25 Jahren hier wohnt. Das war sehr nett und es stellte sich heraus, dass sie ungeimpft ist und genauso entsetzt ist über die Entwicklung in Deutschland wie ich. Das hilft, denn dann muss man nicht ständig zweimal überlegen, was man sagt oder lieber nicht. Trotzdem versuche ich, offen zu bleiben. Solange die Leute nicht total woke sind, sollte es normalerweise funktionieren, auch wenn man nicht immer gleicher Meinung ist. Hat es ja früher auch. 

Es war wirklich ziemlich kalt hier, nachts manchmal unter 0°C. Das kennen die Porteños nicht. Aber den ganzen Tag Sonne, sodass ich es nicht so unangenehm fand. Zumal die Luft auch sehr trocken ist. Das hat nur den Nachteil, dass ich mir ständig Hände und Gesicht eincremen muss. Mittlerweile ist es ein paar Grad wärmer geworden. 

29/06/2024

Lima Gris

 

Flughafen Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

Und da bin ich mal wieder in Lima Gris, im grauen Lima. Temperatur tagein, tagaus um die 18°C, was sich wie immer kälter anfühlt, keine Sonne. Das übliche triste Lima-Winterwetter. 

Die Anreise war etwas nervig, weil mein zweiter Flug zwei Stunden Verspätung hatte. Nun gut, besser, als wenn es der erste gewesen wäre. Der ist pünktlich in São Paulo abgeflogen. In Santa Cruz wurde ich zusammen mit 4 weiteren Passagieren, die weiter nach Lima wollten, durch den Flughafen gelotst. Wir mussten durch die Passkontrolle, die hatten eine Liste mit unseren Namen. Irgendwie scheint es in Santa Cruz keinen wirklichen Transitbereich zu geben. 

Statt um 17:30 Uhr ging es so um 20:15 Uhr nach Lima, aber zum Glück kam ich relativ schnell durch die Passkontrolle und war dann so um 23:30 Uhr in Barranco. 

Mal abgesehen vom Wetter war der Aufenthalt aber wirklich nett und ich habe jetzt alle Papiere zusammen, um den Wohnsitz in Argentinien beantragen zu können. Hoffe ich zumindest. 

Und mein ideales Leben würde ich mir gerade folgendermaßen vorstellen: September - Mai Argentinien mit ein bis zwei Ausflügen nach Peru und Juni bis August Ungarn mit Besuchen in Deutschland am Anfang und am Ende des Aufenthaltes 😀. Falls es mit dem Wohnsitz in Argentinien nicht klappt, dann andersrum: April bis Dezember Ungarn mit Ausflügen nach Deutschland (oder Besuch aus Deutschland 😊) plus Januar bis März Argentinien mit Ausflug nach Peru. So ungefähr. Schauen wir mal. Auf jeden Fall brauche ich wie immer mehr Mäuse🐁💰😀. 

Es gibt keine Fotos, weil ich nicht fotografiert habe. Wie gesagt, alles grau in grau in Lima, mit fiesem Nieselregen. Achja, zwei Mini-Erdbeben gab es auch. Beim ersten hatte ich gerade Unterricht, aber mit meiner Schülerin aus Taiwan. Die kennt das ja auch. Das zweite hat es sogar in die deutsche Presse geschafft. Das war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag und ein bisschen stärker und vor allem länger. Ich wache ja immer auf, wenn mein Bett wackelt. 

Mehr gibt es nicht zu erzählen. Ich sollte aufhören, auf X Nachrichten aus Deutschland zu lesen, weil ich mich ständig aufrege über den linksgrünwoken Irrsinn und damit wertvolle Lebenszeit verschwende. 

Am 2. Juli fliege ich zurück nach Buenos Aires. Leider über Nacht. Aber dort bleibe ich dann ja ganz sesshaft, bis Jaci und Felix im November kommen. 

11/06/2024

São Paulo - Rückkehr nach 25 Jahren

 

Flug, Einreise, mit Bus und U-Bahn ins Zentrum - alles problemlos. Der Platz der Republik, wo ich aus der U-Bahn steigen musste, sah genauso verwahrlost aus wie 1999. Mein Gebäude habe ich schnell gefunden. Airbnb okay, Internet schnell, alles andere katastrophal. 

Das Zentrum von São Paulo war auch vor 25 Jahren nicht schön, aber heute ist es abartig. Überall Obdachlose. Menschen, die teilweise nicht mehr menschlich erscheinen, wie Gruppen von Straßenhunden. Ja, das klingt nicht schön, aber so sieht es aus. Ich habe sie nicht fotografiert, also kann ich es nur beschreiben. Das ist kein Leben, sondern pure Existenz. Ich weiß nicht, wie man das ertragen kann. Sie nehmen irgendwelche Drogen, das sieht man. Ansonsten könnte man es wahrscheinlich wirklich nicht ertragen. Früher haben sie Klebstoff geschnüffelt. Komplett anders als in Buenos Aires. Dort gibt es auch viele Obdachlose, aber nicht so wie hier. Hier liegen sie im Zentrum mitten in der Fußgängerzone, mitten auf dem Bürgersteig, mitten im Müll, wo sie etwas Essbares gesucht haben. 

Es ist sehr viel Polizei präsent, zu Fuß, im Auto und sogar auf Pferden. Dadurch wirkt es tagsüber nicht total unsicher, aber trotzdem läuft niemand mit Handy in der Hand herum und man trägt seine Tasche dicht am Körper. Einmal bin ich in eine Straße geraten, wo weit und breit keine Polizei zu sehen war und besonders viele Menschen auf der Straße lagen. Anders als in Argentinien falle ich hier natürlich sofort auf und ich war heilfroh, als ich wieder in einer Straße mit Polizeipräsenz war. Abends bin ich gar nicht mehr rausgegangen. Auch die Sonntage waren schlimm. Wochentags laufen hier noch Menschen herum, die im Zentrum arbeiten, aber sonntags ist so gut wie alles geschlossen. Nie wieder São Paulo Centro, das ist schon mal ganz klar. 

Ja, es war emotional, noch einmal durch die Straßen hier zu laufen. Dort, wo ich Eduardo zum ersten Mal getroffen habe, wo wir uns oft gesehen haben. Aber er ist schon lange nicht mehr hier und es ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Ich glaube, ich bin zu alt für Brasilien. Das ist mir auch alles zu laut hier. So sitze ich also meistens im Airbnb. Schade, dass es keinen Balkon hat, denn das Wetter ist wirklich super, so um die 26°C. 

Ähnlich wie letztes Jahr bei der Pleite mit Aruba freue ich mich nun auf Lima. Im Februar wollte ich nicht dorthin, weil ich viel lieber in Buenos Aires geblieben wäre, aber jetzt kann ich es kaum abwarten. Und es wird ja auch kein langer Aufenthalt. Nur zweieinhalb Wochen und dann geht es zurück in mein geliebtes Buenos Aires. 

Blick von meinem Airbnb (17. Stock). Das Grüne ist Praça da República

Dieses Kirche sieht zumindest noch so halbwegs ansehnlich aus

In dem Gebäude habe ich vor 25 Jahren im oberen Stock Deutsch- und Englischunterricht gegeben. Jetzt ist alles geschlossen. 

Eingang zur U-Bahn-Station, wo ich immer ausgestiegen bin

So ziemlich genau vor diesem Gebäude hatte Eduardo seinen Stand mit Schmuck

Das ist die Rua São Bento,  wo es früher so viele ambulante Verkäufer gab

Banco do Brasil mit Regenbogenflagge. Zu allem Überfluss hat Brasilien ja aktuell auch eine sozialistisch-woke Regierung. Am ersten Wochenende gab es so eine Pride-Veranstaltung. 

Hinten das Gebäude ist eine Mall. Drinnen fühlte man sich wieder wie ein normaler Mensch. Keine Obdachlosen, kein Gestank, kein Geschrei. 

Eines der hübscheren Gebäude im Zentrum, Fakultät für Irgendwas. 

Praça da Sé. Das war früher schon extrem unsicher. Aber wie gesagt, viel Polizeiaufgebot. Trotzdem keine Touristen, zumindest keine ausländischen. Ich habe tatsächlich die ganze Zeit nicht einmal Englisch oder Spanisch gehört, nur Portugiesisch. 

Das ist die Kathedrale von São Paulo. 


Rua da Quitanda früher und heute. Eduardo mit Jaci zu einer Zeit, als die ambulanten Händler gerade nicht in der Rua São Bento arbeiten durften. Die Quitanda ist eine Seitenstraße, wo weniger Leute liefen und laufen = weniger Verkaufsmöglichkeiten. Es wirkt auf dem Bild ein bisschen netter als 1998, ist es aber nicht wirklich. Ich würde Eduardo gern noch einmal treffen, um zu erfahren, wie es ihm geht, aber ich bin mir nicht sicher, ob das passieren wird. Ich habe eine Adresse in Iquique, Chile. Vielleicht sollte ich einfach mal hinfahren, um das Kapitel auch endgültig abzuschließen. Es fällt mir immer noch schwer, deshalb schleppe ich ja auch dieses alte Foto seit zehn Jahren mit mir herum. Ja, das Bild von 1998 existiert als echtes Foto. Ich kann mich kaum an Dinge erinnern, die ich zusammen mit dem Vater meiner Kinder gemacht habe, aber alles, was mit Eduardo zu tun hat, ist immer noch so klar. Das Kennenlernen, der Abschied in Brasilien, als er mich und die Kinder zum Busbahnhof gebracht hat, das Wiedersehen in Barcelona und dann in Deutschland Jahre später. Und dann ... puff, verschwunden, nie wieder etwas gehört. Auch online nichts gefunden, nur halt diese Adresse in Chile, weil man auf einer chilenischen Website mit Hilfe von Namen und Geburtsdatum nach Einwohnern suchen kann.