Die Anreise war zunächst einmal eine ziemliche Katastrophe. Tepoztlán liegt nur etwa 400 km von Oaxaca de Juárez entfernt, aber die Busfahrt wäre mit zweimal Umsteigen durch die Berge gegangen. Also habe ich mich für einen gut einstündigen Flug nach Mexico City entschieden. Dummerweise hatte dieser Flug fast drei Stunden Verspätung (danke, Viva Aerobus), so dass ich statt um 14:00 Uhr erst um 17:00 Uhr im Bus nach Cuernavaca saß. Also genau zum Feierabendverkehr und dann noch Beginn der Osterferien. Entsprechend dauerte es knapp zwei Stunden, bis wir endlich aus Mexico City heraus waren und dann noch mal eine Stunde bis Cuernavaca. Also drei Stunden für eine Distanz von 90km. Hurra! Von Cuernavaca dauert es mit dem Taxi eine halbe Stunde bis Tepoztlán. Natürlich fährt auch ein Bus, aber ich hatte keine Lust mehr. Wie üblich kannte der Taxifahrer sich nicht aus, aber da er ja aus Cuernavaca kam und nicht aus Tepoztlán, muss man das verzeihen. Zum Glück gibt es GoogleMaps.
In Tepoztlán bin ich gelandet, weil hier ehemalige Klienten von Sergio wohnen. Ein deutsch-russisches Ehepaar, das zwei Jahre in den Anden gelebt hat und letztes Jahr aufgrund des Corona-Irrsinns in Peru nach Mexiko geflüchtet ist. Wir hatten immer mal wieder Kontakt über WhatsApp, hatten uns aber nie persönlich kennengelernt. Nun gut, manchmal ist die Sache heute einfach. Wenn jemand gegen Masken und Impfungen ist, ist die Wahrscheinlichkeit fast 100%, dass man sich gut versteht. So war es dann auch.
Interessanterweise war Tepoztlán zudem noch ein faszinierendes Beispiel dafür, was die Corona-Politik auch hier in Mexiko, das ja einen absolut vernünftigen Präsidenten hat, mit den Menschen gemacht hat. Das mexikanische Ampelsystem ist schon seit einigen Wochen für ganz Mexiko grün, d.h. Masken sind nur im öffentlichen Verkehrsmitteln obligatorisch. Dem folgt seit kurzem auch der Gouverneur des Bundesstaates Morelos, in dem Tepoztlán liegt. Natürlich zu meiner großen Freude, denn bekanntlich hasse ich nichts so sehr wie Masken und Impfzertifikate. Letztere sind glücklicherweise in Mexiko eh kein Thema.
Ausgerechnet hier hat man mich dann zweimal aus einem Laden geworfen, weil ich keine Maske trug und auch keine aufsetzen wollte und eine Holländerin hat man in einem Restaurant nicht ohne Maske auf die Toilette gehen lassen. In anderen Restaurants und Läden hingegen trug niemand eine Maske, auch nicht die Kellner und Kassierer.
Tepoztlán ist eines von Mexikos Pueblos Mágicos mit Hippie-Flair. Es gibt jede Menge Kunsthandwerk und esoterische Sachen zu kaufen. Am Freitag waren wir auf einem informellen und internationalen Markt, wo es hausgemachtes veganes und vegetarisches Essen gab, Kunsthandwerk verkauft und Tarot-Karten gelegt wurden und Menschen musizierten und tanzten. Weit und breit keine Gesichtswindel zu sehen und ich bezweifle, dass irgendjemand geimpft war. Dafür interessante Gespräche über eine mögliche Zukunft in Communities, falls das System tatsächlich kollabiert oder in einer New World Order à la George Orwell endet - wovon einige überzeugt waren, während ich weiterhin optimistisch bleibe, dass sich doch wieder alles normalisiert.
Das Internet war mit einem Download-Speed von 8 Mbps und einem Upload-Speed von 0,5 Mbps erschreckend langsam, aber meine Videocalls haben dennoch problemlos geklappt. Das macht Mut für Mittelamerika. Ansonsten habe ich hier zu 80% eine Entscheidung bezüglich Peru getroffen, aber davon schreibe ich erst, wenn es zu 100% sicher ist.
Nach sechs Wochen Bergen geht es nun mal wieder ans Meer, diesmal an die Pazifikküste.




















