29/07/2023

Resistencia - Eine sehr positive Überraschung


Nie wieder eine Fahrt im Zweite-Klasse-Teil des Busses und das Risiko eingehen, neben irgendwelchen Idioten zu sitzen. Okay, vielleicht waren sie keine Idioten, aber Männer breiten sich einfach mehr aus. Ich empfinde es ja ganz allgemein schon als schrecklich, wenn ich eine unbekannte Person über Stunden direkt neben mir habe, aber Frauen ertrage ich meist minimal besser. Während der ersten Hälfte der etwa achtstündigen Fahrt saß ein Kerl neben mir, der teilweise seinen Ellenbogen in meinem Bereich hatte. Als der endlich ausstieg, war ich so happy, aber dann hieß es, wir müssen den Bus wechseln, die Sitznummern auf den Fahrkarten haben weiterhin Gültigkeit. Und was passiert im neuen Bus? Fast alle Alleinreisenden haben jetzt zwei Plätze für sich, nur ich musste weitere drei Stunden einen Kerl neben mir ertragen, der sich genauso breit machte, wie der erste. Nur während der letzten Stunde hatte auch ich endlich zwei Plätze für mich alleine. Im Erste-Klasse-Teil der Busse gibt es meist nur drei Plätze pro Reihe, links zwei Plätze nebeneinander und rechts nur einer. Und so einen Platz werde ich auf meiner nächsten Busfahrt haben. Das kostet nur etwa € 4 mehr, verschafft mir aber eine wesentlich angenehmere Fahrt. Bei Flügen bezahle ich ja auch € 12-14 für die Sitzplatzauswahl, damit ich nicht in der Mitte lande. 

Genug des Meckerns. Nachdem der Bus mit mehr als einstündiger Verspätung gegen 22:30 Uhr in Resistencia ankam, klappte es zumindest problemlos mit einem Uber, sodass ich mich nicht auch noch mit Taxifahrern herumärgern musste. Mein Airbnb ist nichts Außergewöhnliches, aber nett genug für ein paar Tage. 

Positiv überrascht hat mich die Stadt. Nicht, dass sie außerordentlich schön wäre (nach Buenos Aires hat wohl erstmal keine Stadt eine Chance), aber Resistencia hat eine sehr freundliche und relaxte Atmosphäre. Man sieht immer mal wieder Leute mit Pferdegespann durch die Straßen fahren, obwohl die Stadt mit etwa 300.000 Einwohnern nicht gerade klein ist. Es gibt viele Cafés, sehr nette Geschäfte und fast jeder fragt mich, woher ich komme und was ich hier mache :-). Da die Temperaturen jetzt doch sehr sommerlich sind, musste ich noch eine neue Sommerbluse kaufen und ein Gang zum Friseur war auch mal wieder notwendig. 

Die Tagesplanung der Argentinier wird nerviger, je kleiner die Städte sind. Zwischen 12:30 und 16:00 Uhr ist hier so gut wie alles geschlossen. Viele Restaurants öffnen erst um 20:00 oder 21:00 Uhr. Aber es gibt hier Chipas. Das ist so ähnlich wie brasilianische Käsebrötchen, kommt aber aus Paraguay. Sehr preiswert und sehr yummy. 

Ich glaube, ich hätte es hier noch eine weitere Woche ausgehalten und tatsächlich komme ich noch für eine Übernachtung zurück nach Resistencia, aber morgen geht es zu einer Estancia, um argentinisches Landleben kennenzulernen und endlich meine ersten Reitstunden zu haben. 

Plaza Belgrano

Parque de la Democracia

Parque de la Democracia

Projekte "Rote Banken" gegen Gewalt an Frauen: "Zur Erinnerung an die Frauen, die von denjenigen ermordet wurden, die behaupteten, sie zu lieben"

Plaza 25 de Mayo

Kathedrale von Resistencia

Eva Perón darf natürlich auch hier nicht fehlen

Immer noch Plaza 25 de Mayo, der ist ziemlich groß

26/07/2023

Santa Fe, Argentinien


Wenn man nicht ganz mies in Geografie ist, denkt man bei Santa Fe zuerst an New Mexico. Tatsächlich ist das argentinische Santa Fe aber gut 35 Jahre älter. Von Rosario aus war es eine etwa zweistündige Busfahrt in einem vollen Bus. Lag wahrscheinlich daran, dass hier gerade Winterferien sind. Neben mir saß eine unglaublich große (mindestens 1,80 m) und unglaublich dicke Lehrerin, mit der ich mich ganz nett unterhalten habe. Die argentinischen Busse sind zum Glück sehr bequem, so dass es nicht nervig war, sondern ich mir neben meiner Sitznachbarin einfach nur sehr klein und sehr schlank vorkam. Das ist ja auch mal ganz nett, vor allem letzteres. 

Mit meinem Airbnb bin ich nicht so recht warm geworden. An den ersten beiden Tagen war es saukalt und die Wohnung hat keine Heizung. An zwei Tagen war zudem das warme Wasser weg und ich musste kalt duschen. Gar nicht lustig. 

Dafür stiegen die Temperaturen am Freitag und Samstag auf etwa 30°C und ich konnte mit Rock und Flipflops laufen. Danach wurde es schlagartig 15°C kälter, also normale Wintertemperaturen. 

Santa Fe ist nett, aber nicht spektakulär. Eine schöne Fußgängerstraße haben sie und zum Besuchen gab es das Franziskaner-Kloster aus dem 17. Jahrhundert. Im Sommer kann man zu den Stränden an den Flussufern gehen. Außer im Norden ist Santa Fe komplett von Wasser umgeben. 

Ich merke mal wieder, dass 10-14 Tage Aufenthalt doch besser sind. Bei einer Woche kommt entweder das Sightseeing oder das Business zu kurz. Oder beides. 

Vom deutschen Konsulat in Lima habe ich immer noch nichts gehört, obwohl die 6 Wochen jetzt herum sind. Trotzdem habe ich einen Flug gebucht. Am 12. August fliege ich nach Lima und hoffe, dass mein Pass bis dahin eingetrudelt ist. 

Kunst in der Fußgängerzone

Fakultät für Jura und Sozialwissenschaften kurz vor Sonnenuntergang

Fußgängerzone San Martín

Fußgängerzone

Ist oder war eine Bar

Die Fassade dieses Geschäfts fand ich einfach nur total hübsch

Regierungspalast Provinz Santa Fe - Wie immer mit Protestzelt davor :-)

Kathedrale von Santa Fe

Historisches Museum - Besuch habe ich wegen ungünstiger Öffnungszeiten nicht geschafft

Franziskaner-Kloster

Teil des Franziskaner-Klosters

Kirche der Franziskaner



In Santa Fe hatte ich kein Lieblingscafé, sondern habe jeden Tag woanders gegessen, meistens Frühstück und dann für später etwas vom Buffet im Supermarkt geholt. 

Morgen kommt meine bisher längste Busfahrt nach Resistencia nahe der Grenze zu Paraguay. Hoffentlich ist der Bus nicht zu voll. 

18/07/2023

Rosario - Geburtsstadt von Lionel Messi


Bei strömenden Regen ging es von Buenos Aires nach Rosario. Am Busbahnhof Retiro war es nervig, dass erst wenige Minuten vor Abfahrt angezeigt und durchgesagt wurde, von welchem Busbahnsteig der Bus nun genau abfährt. Immerhin hatte meine Fahrkarte die Info "plataforma 37-55", sodass ich mich strategisch in die Mitte platziert habe und als dann endlich die Ansage kam, das mein Bus von 41 abfährt, war es nicht weit. 

Die vierstündige Fahrt war unspektakulär, die ganze Zeit Autobahn. In Rosario hat dann erst einmal ein Taxifahrer versucht, mich abzuzocken. Der hatte zwar ein Taximeter, aber das stand schon bei Abfahrt auf knapp 4000 Pesos (ca € 8). Ich habe ihn freundlich darauf aufmerksam gemacht und er meinte, das wäre richtig so. Daraufhin habe ich ihn gebeten, mich auszusteigen zu lassen. Er wurde erst unfreundlich und wollte Geld für die zwei Minuten Fahrtzeit, hat mich dann aber gehen lassen. Es war trotzdem kein gutes Gefühl. Zum Glück konnte ich dann schnell ein Uber rufen und die Fahrt kostete 2600 Pesos. Ich hasse Taxifahrer. Egal welches Land, unter Taxifahrern ist der Anteil an Arschlöchern überprozentual hoch. Und dann beschweren sie sich, wenn die Leute lieber Apps nutzen. 

Nun gut, mein Airbnb-Host kam pünktlich, um mich reinzulassen und das Studio ist sehr nett. Kleiner als in Buenos Aires, aber gutes Internet und mit Balkon - was mir allerdings gerade nichts nutzt, weil es zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Letzte Woche stürzten die Temperaturen auf 9°C. Gar nicht witzig. Jetzt ist es mit 13-14°C wieder etwas besser und ich bewege mich ja weiter Richtung Norden. 


Busbahnhof Retiro. Buenos Aires

Mein Bus - Die Fahrt kostete 6500 Pesos (€13 Euro)

Busbahnhof Rosario

Street Art am Casa Cultural del Tango

Dieses Haus steht direkt am Fluss. Keine Ahnung, was es ist. 

Eingang Parque de la Independencia - Die scheinen Datum und Wochentag täglich zu ändern. 


Trotz der niedrigen Temperaturen sind einige Leute mit dem Tretboot gefahren.

An jeder Ecke ein Food Truck

Und immer wieder Fußball

Avenida zwischen Independencia-Park und Stadtzentrum

Dia Isla Malvinas sind die Falkland-Inseln und das ist hier auch nach 40 Jahren noch ein Thema. Interessant, weil der verlorene Falkland-Krieg das Ende der Militär-Diktatur einleitete. Dennoch ist die offizielle argentinische Position weiterhin, dass die Falkland-Inseln zu Argentinien gehören und man sieht solche Schilder oder auch Sticker überall. Ist irgendwie so ähnlich, als hätte man 1985 überall in Deutschland Schilder mit der Aufschrift "Danzig ist deutsch" gesehen :-D. 

Che Guevara wurde in Rosario geboren, aber es gibt nur dieses simple Schild zur Erinnerung.

Fußgängerzone am Sonntag - Alles zu, nichts los. Wie in Deutschland :-D

Theater und Opernhaus El Círculo

Straßenecke im Stadtzentrum

Plaza 25 de Mayo. Der Fahnenschmuck ist wohl noch vom Unabhängigkeitstag. Die Argentinier lieben ihre Flagge, man sieht sie überall. Sie haben ja auch ein sehr hübsches Exemplar. 

Kathedrale und Blick zum Flaggen-Monument

Flaggenmonument. In Rosario wurde am 27.02.1816 zum ersten Mal die argentinische Flagge gehisst und seit 1957 gibt es dieses Denkmal. 

Dieses Monumento Histórico Nacional a la Bandera ist ziemlich riesig. 

Ein paar Meter weiter findet man eines der beiden Messi-Murals von Rosario. Dieses hier ist schlappe 69 Meter hoch.

Bei General Manuel Belgrano (das ist der, der den Befehl zum Hissen der Flagge gab) beginnt dann die Uferpromenade. Die heißt hier Costanera. In Peru sagen sie Malecón. 

Entlang der Costanera waren sonntags viele kleine Stände, wo man alles Mögliche kaufen konnte.

Kein Alkoholverkauf an Wahltagen, deshalb die Absperrbänder im Supermarkt. Am Sonntag waren in der Provinz Santa Fe Gouverneurswahlen. 

Paraná-Fluss

Links einer der Gründe, warum es in Argentinien (und ganz Lateinamerika) keinen Wohnungsmangel gibt: Sie bauen Hochhäuser. Ich hatte in den letzten Jahren oft genug ein Airbnb in einem Hochhaus, um es zu mögen, vor allem obere Stockwerke. Momentan bin ich übrigens im vierten Stock. Vielleicht ist in Deutschland das Problem, dass Hochhäuser oft so heruntergekommen wirken, während es hier völlig normal ist, dass das Putzen des Treppenhauses und aller Gemeinschaftsflächen in den Nebenkosten enthalten ist.  

Morgen habe ich wie jeden Dienstag den ganzen Nachmittag Unterricht. Vormittags werde ich noch einmal dieses leckere Avocado-Toast zum Frühstück essen. Dazu Café Latte und frisch gepresster Orangensaft. Yummy.

Um am Mittwoch geht es dann weiter nach Santa Fe. Gleiche Provinz, nicht weit.