24/04/2025

Bauernhof-Pleite und die Konsequenzen daraus


Wie man anhand der Fotos unschwer erkennen kann, bin ich nicht auf einem Bauernhof. Sondern in Palermo. Die Bilder sind nett, ansonsten finde ich die Stadt absolut schrecklich und bin auch morgen schon wieder weg. 

Tja, was ist nun passiert. Ich bin am Dienstag wie geplant von Agrigento nach Palermo gefahren. Die Besitzerin des Bauernhofs hatte mir gesagt, dass sie um 11 Uhr einen Termin in Palermo hätte und mich am Bahnhof abholen könne. Als ich um 13 Uhr ankam, schickte sie eine Nachricht, dass es länger dauern würde. Um 14 Uhr kontaktierte mich ein Holländer, der momentan auch auf dem Bauernhof ist. Wir haben uns getroffen, etwas gegessen und um 16:00 Uhr war die Bauernhof-Lady dann fertig mit ihrem Termin. Aber sie musste noch zu ihrer Mutter. Zu dem Zeitpunkt war ich schon leicht genervt. Gegen 18:00 Uhr kamen wir dann endlich auf dem Bauernhof an. Dort war noch ein weiterer Helfer, ein Argentinier. Das fand ich nett. Mein Zimmer war auch okay aber die nicht abschließbare Toilette sollte ich mit den beiden Männern teilen und die Dusche war unten, da musste man erst einmal durch das Zimmer, in dem der Holländer schlief (der war zwar eigentlich mit Van da, schlief aber trotzdem in diesem Durchgangszimmer). Zu dem Zeitpunkt war ich schon ganz happy, dass ich nur drei Wochen bleiben würde - wie ich Dienstagabend noch dachte. Handtuch und Internet-Zugang bekam ich auch nicht.  

Am Mittwochmorgen bin ich mit dem Argentinier die Tiere versorgen gegangen. Das war nett. Gibt leider keine Fotos. Ich dachte ja, dafür ist später noch Zeit. Kurz danach habe ich zufällig gehört, wie sie mit dem Argentinier über mich geredet hat. Es ging darum, dass ich ja eigentlich bis Ende Mai bleiben wollte und jetzt doch früher gehen würde und dass ich keinerlei Erfahrung habe, man mir alles erklären müsse und besonders kräftig sei ich auch nicht. Ich habe mich entschieden, sie anzusprechen und ihr zu sagen, dass ich einen Teil des Gesprächs gehört hatte. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich hatte schon am Vorabend den Eindruck, dass ich nicht so wirklich willkommen war und da ich selbst mich auch nicht wohl fühlte, habe ich die Konsequenzen gezogen und meine Sachen gepackt. 

Man sagte mir, dass vom Dorf aus, regelmäßig ein Bus nach Palermo fahren würde, aber als ich um 11:30 Uhr an der Bushaltestelle ankam, stellte sich heraus, dass der nächste Bus um 15:10 Uhr kommen würde. Ich habe kurz überlegt, ob ich warten oder gar 18 km laufen soll. Dann fiel mir meine Uber-App ein. Ich hatte wenig Hoffnung, aber es war tatsächlich möglich, ein Uber zu bestellen. 50 Euro bis Palermo, also gewissermaßen nicht einmal eine kostenlose Übernachtung auf dem Bauernhof 😆. 

Ein Hotel hatte ich mir schon vor meinem Abgang gebucht. Direkt am Bahnhof. Hier habe ich heute meine Unterkunft bis zu Sergios Ankunft organisiert und beschlossen, dass ich das Kapitel Workaway ad acta lege. Es war ein sehr kurzes Kapitel 😂. Housesitting mit Katzen und netten Hunden oder anderen Kleintieren wäre immer noch eine Option, denn da bin ich alleine und muss mich nicht mit unbekannten Menschen herumärgern. Von Sizilien werde ich mich Anfang Juni erst einmal verabschieden, wenn Sergio zurück nach Peru fliegt. Aber bis dahin steht ja noch einiges auf dem Programm. 






21/04/2025

Ostern in Agrigento


Die Distanz zwischen Acireale und Agrigento beträgt ca 180 km. Es gibt zwar keine Deutsche Bahn hier, aber komplizierte sizilianische Bus- und Zugverbindungen. Als erstes kam der Minibus von Acireale-Zentrum zum Bahnhof um 10:35 Uhr, wie es auf dem Fahrplan stand. Damit hatte ich irgendwie gerechnet und als um 10:45 Uhr auch noch nichts gekommen war, habe ich ein Taxi genommen. Der Zug nach Catania war problemlos und dort hatte ich knapp eine Stunde Zeit, um herauszufinden, wo der Bus nach Caltanissetta abfahren würde. Das war Schienenersatzverkehr, Teil meines Zugtickets. Irgendwie scheinen die Busse keine Klimanlage zu haben. Oder sie benutzen sie nicht. Es war genauso unangenehm warm wie bei der Fahrt von Catania nach Acireale und diesmal saß ich zwei Stunden in dem Bus. Dafür war die Landschaft schön, grün und bergig. Von Caltanissetta fuhr der reguläre Zug nach Agrigento. Das dauerte fahrplanmäßig etwas mehr als zwei Stunden - für 50 km. Sowas nennt man dann wohl einen Bummelzug. Um 17:30 Uhr konnte ich in meinem B&B einchecken. Die Reise hat also sieben Stunden gedauert, war aber insgesamt entspannt. Mit Ausnahme des Ausflugs zu den griechischen Tempeln waren die Ostertage hier auch sehr relaxt und ich habe gar nichts Spezielles gemacht. Ein bisschen herumgelaufen, ein bisschen gearbeitet, Eis gegessen und Cappuccino getrunken, ein bisschen Italienisch mit der B&B-Besitzerin und einem anderen Gast aus Dänemark gesprochen. Heute hat es geregnet und die Temperaturen sind noch einmal auf 15°C gefallen. Brr. Morgen geht es zu meinem ersten Workaway-Einsatz in der Nähe von Palermo. 

Tiramisu :-)

Schwarze Gestalten am Karfreitag. Und heute ist der Papst gestorben. 










19/04/2025

Auf Sizilien waren die Alten Griechen auch

 

Zu meinem Kurztrip nach Agrigento schreibe ich später noch etwas. Hier kommen einfach ein paar Fotos vom Valle dei Templi, dem Tal der Tempel, wo vor 2500 Jahren ein griechische Stadt stand. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe und natürlich haben vor allem die Tempel überlebt. Es gibt ziemlich wenig Schatten, d.h. im Hochsommer möchte ich hier nicht herumlaufen. Aber da der Klimawandel offensichtlich gerade Pause macht und die Temperaturen weiterhin so um die 18°C herumdümpeln, war mein Ausflug sehr angenehm. Die Sonne scheint, da kann man nicht meckern. Der Ausblick ist auch wunderschön. Ein Stück weiter oben liegt Agrigento und ein Stück weiter unten das Mittelmeer. 






Der Ikarus stammt nicht von der Alten Griechen, sondern aus dem Jahr 2011. Ich persönlich finde ihn hässlich und total fehl am Platz. 


11/04/2025

Auf den Spuren von Oma Alfia und Opa Leonardo

 

Ich weiß gar nicht mehr, wann die sizilianische Herkunft von Sergios Großeltern das erste Mal richtig Thema war. Und die Möglichkeit, einen italienischen Pass zu bekommen. Vor zwei Jahren hat er erfolglos versucht, in Catania etwas herauszufinden. Das konnte nicht klappen, denn Oma Alfia wurde in Acireale geboren und Opa Leonardo in Giarre, beides Städte nördlich von Catania. Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich mich um die Sache kümmere und habe über einen Argentinier hier auf Sizilien zunächst einmal die Geburtsurkunde von Leonardo besorgen lassen. Das hat Ewigkeiten gedauert. Bei Oma Alfia gab es das zusätzliche Problem, dass wir nirgendwo das genaue Geburtsdatum finden konnten, irgendwann zwischen März und November 1908. Bin ich also mit meinen rudimentären Italienisch-Kenntnissen zum Rathaus hier in Acireale gestiefelt und habe dem Archivar irgendwie erklären können, was ich möchte. Er war sehr nett, sprach aber nur Italienisch und dazu noch sizilianischen Dialekt, der einfach extrem schwer zu verstehen ist. Aber es hat geklappt, Oma Alfia wurde am 19. Oktober 1908 geboren und der nette Archivar hat mir den Auszug aus dem Geburtsregister innerhalb von einem Tag aus den alten Büchern herausgesucht. 

Das Rathaus an sich war schon ein Abenteuer. Ein ganz altes Haus neben einer Kirche, "bewacht" von einem alten Portier, dem man erst erklären musste, was man wollte. Sobald man drinnen war Zeitsprung so ungefähr in die 1950er von den Möbeln und dem ganzen Ambiente her. Aber sie haben Computer, doch, doch. Aber man wartet wie in alten Zeiten vor dem Büro des zuständigen Mitarbeiters. Nichts dämliche Großraumbüros, jeder hat sein Zimmerchen. 

Die Stadt Acireale ist sehr nett. Mit 50.000 Einwohner nicht zu klein, aber auch nicht riesig. Im Zentrum überall diese engen Gassen, wo nur ein Auto durchpasst und als Fußgänger muss man sich fast an die Hauswand quetschen, denn Bürgersteige gibt es so gut wie keine. Mein Airbnb ist in einem Minihaus mit einem Zimmer unten und einem Zimmer oben, aber alles frisch renoviert und modern eingerichtet. Ist allerdings kalt hier drin. Erinnert mich an Portugal. Drinnen mit Pullover, draußen in der Sonne ohne. Insgesamt könnten die Temperaturen ruhig schon etwas wärmer sein. 15°C ist noch nicht so das Wahre. Soll sich jetzt aber ändern, was die Sizilianer freuen wird, denn Ostern startet die Touristensaison. 

Heute bin ich mit dem Zug ins 15 km entfernte Giarre gefahren.  Die Stadt ist etwa halb so groß wie Acireale, ebenfalls mit einer großen Kathedrale in der Mitte. Giarre liegt praktisch zwischen dem Ätna und dem Meer. Leider hatte der Ätna sich heute unter den Wolken versteckt. Er ist momentan auch recht ruhig, kaum große Eruptionen. In Leonardos Kindheit und Jugend gab es einige heftige Ausbrüche des Ätna, habe ich gelesen. Gut, eigentlich spuckt der Ätna regelmäßig. Anders als der Vesuv bei Neapel ist es aber kein explosiver Vulkan, d.h. die Lava kommt nicht mit Schwung aus dem Hauptkrater, sondern aus tiefer gelegenen Nebenkratern. 

Acireale:








Acireale hat keine richtigen Strand, aber man ist in 30 Minuten am Meer. Entweder die Straße entlang, was wegen der Autos ziemlich doof ist oder über einen kleinen Fußgänger-Pfad, den ich für den Rückweg entdeckt hatte. 






Die italienischen Züge mochte ich ja schon vor zwei Jahren. Jetzt kann man über die App die Fahrkarte nicht nur kaufen, sondern auch problemlos Zeit und/oder Datum ändern. Im Fall von Acireale ist es allerdings blöd, dass man vom Zentrum aus 30 Minuten bis zum Bahnhof laufen muss. Deswegen werde ich nächste Woche wieder mit dem Bus nach Catania zurückfahren. 

Giarre:







04/04/2025

Catania - Ankunft auf Sizilien


Vor fast genau zwei Jahren habe ich mich mit einem Tag in Catania von Sizilien verabschiedet und bin nach Rom geflogen. Diesmal starte ich meinen Sizilien-Aufenthalt mit einer Woche Catania. Mein Airbnb hat fünf Zimmer, die alle einzeln vermietet werden, auch über Booking. Es ist noch eine digitale Nomadin aus Sardinien hier, mit der ich mich öfter unterhalte. Allerdings auf Englisch, denn sie hat einige Jahre in London gelebt. Ansonsten höre ich ab und zu Leute, sehe aber niemanden. Ist also sehr entspannt. Der nächstgelegene Supermarkt ist ein Lidl, sodass ich ebenso wie in Deutschland jeden Morgen Brötchen holen gehe. 







Gestern hatte ich einen Termin beim Finanzamt, um eine Steuernummer zu bekommen. Nein, ich möchte keine Steuern zahlen, aber so eine Nummer wird überall abgefragt und da sie nichts kostet, dachte ich mir, ich hole sie mir einfach mal. Das hat zwar geklappt und ich habe ein Papier bekommen, aber sie schicken auch noch etwas. Dummerweise dauert das 20 Tage. Hoffentlich kann mein Airbnb-Host in Acireale das in Empfang nehmen und entweder nach Deutschland oder an meine nächste Adresse schicken. Das Finanzamt liegt ziemlich außerhalb, sodass ich mit dem Bus hingefahren bin. Zurück bin ich dann gelaufen, weil es ein ganzes Stück an der Küste entlang ging. 









Heute konnte ich meine Codice fiscale dann schon in Action sehen, als ich eine prepaid-SIM gekauft habe. Sie erschien sofort, als sie meinen Namen und Geburtsdatum eingegeben haben. Fast schon ein bisschen beängstigend. Dafür habe ich ab jetzt 200 GB Data pro Monat in Italien und 13 GB im EU-Ausland. Für 10 Euro. Da kann man doch nicht meckern. Das Wetter ist jetzt auch wunderbar, wenn es auch morgens und abends noch recht kühl ist. Und ich trinke jeden Tag einen Cappuccino für 2 Euro in einem Mini-Café um die Ecke.