Posts mit dem Label Lima werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lima werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

23/08/2026

Der Winter, der ein Sommer ist

 


Normalerweise bedeutet Winter in Lima, dass die Temperaturen im Juli und August auf 14-15°C fallen, was sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit immer wesentlich kälter anfühlt. Das mit der Luftfeuchtigkeit ist hier ja so eine komische Sache. In Lima regnet es nur extrem selten, aber es ist kein trockenes Wüstenklima, sondern ein feuchtes. Die Konsequenz ist, dass sich Temperaturen unter 20°C immer wesentlich kälter und Temperaturen über 20°C wesentlich wärmer anfühlen. Im Winter haben wir normalerweise so gut wie keine Sonne. 

Aber dieses Jahr ist alles anders. Der Pazifik ist schuld. Alle paar Jahre gibt es ein El Niño-Phänomen, d.h. das Wasser im Pazifik ist wesentlich wärmer als normalerweise. Das hat Auswirkungen auf die Küsten von Peru und Ecuador. Es ist wärmer und es regnet mehr. Letzteres nicht in Lima, sondern weiter im Norden. Dieses Jahr ist das El Niño-Phänomen extrem. Selbst die Peruaner laufen in Sommerkleidung herum. Wir hatten nicht einmal Temperaturen unter 20°C, auch nicht nachts. Ich hatte im Mai ein paar Pullover gekauft und die liegen nun unbenutzt im Schrank. Die Geschäfte bleiben auf ihrer Winterkollektion sitzen. 

In den Anden ist oder war es übrigens schweinekalt. Chile hatte meterhoch Schnee und auch in Peru war es auf großer Höhe weiß. Ganz ehrlich, in diesen Andenorten auf über 3500 Meter Höhe könnte ich nicht leben. Da hatte ich letztes Jahr am Titicaca-See und in Bolivien Glück, dass der Winter relativ mild war. 

Außerdem haben wir dieses Jahr ziemlich viele Mini-Erdbeben. Gefühlt wackelt es einmal pro Woche. Tut es tatsächlich, sogar öfter, aber das meiste merkt man ja nicht. Im siebten Stock merke ich es mehr, als jemand, der im Erdgeschoss wohnt. 

Letztes Wochenende war ich leicht frustriert, weil ich hier sitze, während es in Deutschland ein tolles Elvis-Event gab. Ich habe tatsächlich ChatGPT dazu befragt, ob eine Rückkehr nach Deutschland Sinn machen würde, aber das täte es nur, wenn ich Bürgergeld beantragen oder mein Einkommen um mindestens das Dreifache erhöhen würde. Die Kosten in Deutschland sind einfach irrsinnig hoch und alles ist Zwang. Ich muss eine Krankenversicherung haben, ich muss in die Rentenversicherung einzahlen. Es ist völlig egal, dass ich nie krank bin, in meinem Alter wäre der Beitrag bei Selbständigkeit irrsinnig hoch. Hier bezahle ich monatlich etwa 25 Euro für das peruanische System und gut 100 Euro für meine internationale private KV für stationäre Behandlungen mit 500 Euro Selbstbehalt pro Jahr. Was ich in die peruanische Rentenkasse einzahle, ist meins, d.h. ich bekomme es mit 65 ausgezahlt oder wenn ich das Land verlasse. 

Also keine Rückkehr nach Deutschland oder in die EU, aber nächstes Jahr findet im August das Elvis-Fanclub-Treffen in Regensburg statt und da werde ich dabei sein. Am 16. August 2027 ist Elvis' 50. Todestag. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Und es kommt weiterhin jede Menge Neues von Elvis heraus. Ich könnte jeden Monat problemlos einen vierstelligen Betrag für Elvis ausgeben. Vielleicht sollte ich schauen, dass ich mein Einkommen um das Zehnfache erhöhe. Dann könnte ich auch eine Wohnung mit Riesenterrasse direkt am Pazifik mieten. Sowas wie auf dem Foto unten. Stattdessen werde ich meine Dollar zusammenhalten, weil ich nächstes Jahr auch einen neuen Laptop brauche. 


26/04/2026

Wo und wie wohne ich eigentlich?

 


Gestern hat Jaci mir erzählt, dass sie in Heidelberg-Kirchheim war und das Haus gesehen hat, wo wir sieben Jahre gewohnt haben. Von 2007 - 2014. Seit fast 20 Jahren lebt Jaci in Heidelberg und ist als Erwachsene nur innerhalb der Stadt umgezogen. Und seit fast 10 Jahren kenne ich Lima. 

2017/8 habe ich in verschiedenen Wohnungen in Miraflores gewohnt. Genau genommen habe ich damals noch Zimmer gemietet. In Calle Berlin war mein erstes Airbnb, daran kann ich mich gut erinnern. Direkt am Pazifik. Miraflores ist der Touristen-Stadtteil von Lima. Relativ groß, viele Geschäfte, viele Cafés und Restaurant und in der Mitte der Parque Kennedy, der von zahlreichen Katzen bevölkert wird. 

Seit 2018 war ich immer in Barranco. Ich glaube, es ist der kleinste Stadtteil von Lima. Er liegt direkt neben Miraflores, südlich, auch direkt am Pazifik. Seit ein paar Monaten gibt es eine Fußgängerbrücke zwischen Barranco und Miraflores: 


So wie unten auf dem Bild war der Blick Anfang 2022. Die peruanische Flagge wehte schon, aber ansonsten alles noch Baustelle und keine Brücke.


Durch die Brücke bin ich ziemlich schnell in Miraflores. Früher musste ich eine große Runde gehen, weil die Klippen hier so eine Art Bucht bilden. Direkt am Pazifik verläuft die Panamericana, aber die Stadtteile liegen alle oben. Das hat zur Folge, dass ich das Meer zwar jeden Tag sehe (ein kleines bisschen sogar von meinem Schlafzimmerfenster aus), aber sehr selten direkt am Meer bin. Man kann zwar am Meer entlanglaufen, aber die Parks hier oben sind hübscher. 





Mein Stadtteil heißt also Barranco. Es gilt als Künstlerviertel und hat noch relativ viele alte Häuser. Aber natürlich vermischt mit den modernen Gebäuden. Mein Gebäude hat zehn Stockwerke und ich wohne im siebten Stock. Unten gibt es eine Rezeption. Wie in einem Hotel ist immer jemand da. Sie nehmen Pakete entgegen und machen dir immer die Tür auf. Ich habe also keinen Schlüssel für die Eingangstür. Allerdings funktioniert es mittlerweile per Gesichtserkennung, falls die Rezeption ausnahmsweise mal nicht besetzt ist, weil der Portero auf dem Klo ist oder so. 

So etwas wie Kehrwoche gibt es hier nicht. Oh mein Gott, was habe ich das in Heidelberg gehasst. Oder Schneeschieben im Winter. Nein, das vermisse ich nicht. Ich weiß nicht genau, wie viele Menschen hier im Gebäude arbeiten, aber ich weiß, dass es alles Venezolaner sind. Die Porteros habe ich ja schon erwähnt und natürlich gibt es auch Reinigungspersonal. Das ist völlig normal in diesen Gebäuden. Sowas wie eine Kehrwoche würde hier nie im Leben funktionieren, 

Mein Gebäude liegt an einer der beiden Avenidas von Barranco, aber die Wohnung liegt auf der hinteren Seite. Dadurch habe ich keinen schönen Ausblick (bis auf das Stück Pazifik), aber es ist normalerweise sehr ruhig. 

Je höher man wohnt, desto stärker spürt man die Mini-Erdbeben. Die meisten sind allerdings so schwach, dass man nichts merkt. In den letzten drei Monaten hat es zweimal gewackelt. Interessanterweise hat meine Mieze das beide Male einige Millisekunden früher gemerkt als ich. Man sagt ja, dass Tiere ein feineres Gespür dafür haben. Viele Hunde fangen an zu bellen. Auch meiner Stella war an ihrer Körperhaltung anzusehen, dass sie nervös war.