07/10/2024

Jubiläum

Heute vor genau 10 Jahren habe ich Deutschland verlassen. Mit Jaci im Schlepptau nach meinen Oktobernachtdiensten nach Budapest. Dort waren wir bis Dezember und dann standen über Weihnachten noch einmal Nachtdienste in Heidelberg an. Budapest war nicht so Jacis Ding, aber im Januar sind wir dann nach Südspanien und Portugal gefahren. Das war besser. Damals hatte ich gar nicht vor, nach Lateinamerika zu gehen, sondern wollte in Europa bleiben. 

Vor 10 Jahren hatte Jaci Heimweh und jetzt ich. Also, nicht direkt Heimweh und ganz sicher nicht nach Deutschland. Es wird halt einfach Zeit, meine Prioritäten anders zu setzen. In Bezug auf Lebensmittelpunkt, aber auch in Bezug darauf, wie ich meine Leben gestalten möchte und welche Personen eine wichtige Rolle spielen sollen. 

Ich tendiere dazu, mit dem Flug nach Deutschland nicht bis Ende April zu warten. Ich werde das im November entscheiden. Am 30. Oktober läuft mein Visum ab. Mal schauen, ob Migraciones sich irgendwie meldet. Mitten im Winter will ich nicht nach Europa, frühestens im März. Notfalls noch einige Wochen Brasilien.

Heute ist kein so schöner Frühlingstag. Ziemlich bewölkt und ein bisschen kühl, nur so 18°C. 

Letzten Freitag war ich noch einmal im Ecoparque, dem ehemaligen Zoo von Buenos Aires. Den hatte ich ja letztes Jahr schon besucht. Hier sind neue Fotos (Maras und Pfaue laufen frei herum, die restlichen Tiere sind alte Zoobewohner, die nicht ausgewildert werden können):

















27/09/2024

Japanischer Garten Buenos Aires

Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt mit dem Japanischen Garten. Beim ersten Mal im Juni 2023 war mir die Schlange zu lang. Im Dezember war dann geschlossen. Heute war offen und die Schlange nicht zu lang. Trotzdem gab es am Freitagvormittag um 11 Uhr eine kleine Schlange und fast alle um mich herum haben Spanisch gesprochen. Auch die Cafés und Restaurants in der Nähe total voll. Und gleichzeitig heißt es heute in der Zeitung, dass mehr als die Hälfte der Argentinier in Armut lebt. Irgendwie definieren die Armut auf ziemlich hohem Niveau, ist so mein Eindruck. Oder sie versteckt sich. Mal abgesehen von den Obdachlosen sehe ich keine Armut. Wenn ich da an São Paulo denke oder auch an die Bettler in Santa Cruz de la Sierra. Nun denn. 

Ansonsten macht Western Union Deutschland jetzt auch Probleme mit Kartenzahlung. Das gleiche Spielchen wie bei Western Union USA. Ein paarmal funktioniert es problemlos und dann behaupten sie, es geht mit der Karte nicht mehr. KLARNA hat auch nicht geklappt, sodass ich eine Überweisung machen musste und jetzt auf die Bestätigung warte, dass das Geld verbucht wurde und ich es abholen kann. Argentinien und Geld macht einfach keinen Spaß. Was das betrifft, freue ich mich auch auf Europa. 

Meiner Vermieterin habe ich gesagt, dass ich den Vertrag nicht noch einmal verlängern werde. Er endet am 4. Januar. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass ich im November eine Nachricht von Migraciones bekomme, dass ich verschwinden soll, aber ganz ausschließen kann ich es natürlich auch nicht und deshalb dachte ich, es ist besser, flexibel zu bleiben. Es gibt genug Airbnbs zu vernünftigen Preisen in Buenos Aires. Das wird kein Problem sein, im November oder Dezember etwas zu suchen und nochmal ein Stadtteilwechsel ist ja auch nett. 












Das Mittagessen war dann mexikanisch. Ich gehe ja nur sehr selten ins Restaurant, aber ab und zu ist es doch nett. 


Enchiladas suizas inklusive Nachos und Getränk für 13500 Pesos. Das sind ca 10 Euro, kommt immer drauf an, welchen Wechselkurs man nimmt, aber Argentinien ist ganz klar nicht mehr so billig wie letztes Jahr und auch ein Grund, warum ich nicht mehr so oft ins Restaurant gehe. 

15/09/2024

Entscheidungen und Frühlingsgefühle

 

Ich kapituliere vor der argentinischen Bürokratie und gehe nächstes Jahr zurück nach Europa. Sechs Wochen bin ich von Pontius nach Pilatus gelaufen. Habe es sogar geschafft, ein Bankkonto zu eröffnen - nur um mir dann sagen lassen zu müssen, dass ich mir kein Geld aus dem Ausland überweisen kann, weil ich kein Ausweisdokument habe. Denn ein Pass ist nur zum Reisen da. Ein Ausweisdokument ist das nicht. Der Tussi, die mir das gesagt hat, hätte ich am liebsten rechts und links eine gescheuert, aber an dem Tag hatte ich letztlich schon die Entscheidung getroffen, dass ich mir dieses Theater nicht länger antue. 

Die Reaktionen aus Europa waren positiv und ich selber bin endlich wieder entspannt und habe wieder Lust, etwas zu machen. Hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der Winter vorbei ist. Keine dicke Jacke mehr und die Bäume werden so langsam alle wieder grün. 

Dies war ein Ausflug zum Friedhof Chacarita. Der liegt ja gleich um die Ecke. 





Wenn Lionel Messi in Argentinien ist, sieht er überall Fotos von sich. Das stelle ich mir ziemlich irritierend vor: 

Ich habe das Immigrations-Museum besucht, aber die Ausstellung selbst war nicht so extrem interessant. Allerdings haben sie eine Datenbank und konnten mir sagen, wann genau und mit welchem Schiff Sergios Großvater angekommen ist. Haben mir sogar ein Zertifikat der Ankunft ausgedruckt. Das Museum ist im ehemaligen Hotel de los Inmigrantes. Dort sind viele der Einwanderer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst untergekommen. 





Heute bin ich zu einem Markt im Parque Centenario gegangen. Einen Stadtteil weiter, dort, wo ich im Februar gewohnt hatte und das Problem mit den Stromausfällen hatte. Nicht weit von hier, drei Stationen mit der U-Bahn. 




12/08/2024

Bürokratie-Ärger und Theater

 

Bin gerade aus dem Theater zurückgekommen. Wieder eine Adaption eines alten Hollywood-Films. "Legally blonde/Natürlich blond" hieß er und entsprechend "Legalmente rubia" auf Spanisch. Was die Argentinier in Sachen Theater auf die Beine stellen, muss sich nicht hinter dem Broadway oder Londons Westend verstecken. Die sind richtig, richtig gut. Hatte mir auch etwas Nettes verdient, denn die Woche war ziemlich doof. 

Nachdem ich am 29. Juli erfolgreich mein Certificado de Domicilio bekommen und alle Dokumente bei Migraciones hochgeladen hatte, bekam ich schon am 1. August einen Termin bei Migraciones. Das war zwar in Sachen Wartezeit und Lautstärke supernervig, aber die Sachbearbeiterin war sehr nett.  Ich musste ein Formular ausfüllen, wo ich die letzten drei Jahre verbracht habe, und das war zweisprachig: Spanisch und Russisch 😀. Tatsächlich sprach um mich herum fast alles Russisch. 

Blöd war, dass ich das falsche Führungszeugnis aus Peru mitgebracht hatte. Aber Sergio hat es tatsächlich geschafft, mir innerhalb eines Tages das richtige zu besorgen. Kommt morgen per DHL an. Ich bekam trotzdem eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis und den Auftrag, ein Bankkonto zu eröffnen und 2000 Dollar nach Argentinien zu überweisen. 

Tja, und da finden die Probleme an bzw haben die Banken mir die Woche versaut. Fünf Stück habe ich abgeklappert. Vier meinten, sie können mir nur ein Konto eröffnen, wenn ich die Aufenthaltserlaubnis und die argentinische ID-Karte habe und eine Bank meinte, es ginge nicht, weil mein Pass 9 Nummern bzw. Buchstaben hat, das System aber nur acht zulässt. Nach Bank 5 hatte ich keinen Bock mehr auf weitere Versuche.

Sergio hat nun seinen Bruder in La Plata auf das Problem angesetzt und meinte, notfalls käme er selber. In Peru ist das ja der gleiche Witz. Ohne Bankkonto keine Aufenthaltserlaubnis und ohne Aufenthaltserlaubnis kein Bankkonto - außer man kennt Leute in den Banken, die es doch machen. Wenn Sergio und sein Bruder es schaffen, in Argentinien so ein Netzwerk aufzubauen, dann kann er tatsächlich auch hier Klienten finden. Bei Migraciones hatte auch mehr als die Hälfte der Leute einen Babysitter (= Anwalt) dabei. 

Sergio ist also optimistisch. Ich dagegen habe schon mal einen Blick auf Wohnungen in Ungarn geworfen 😁. Und war mehr als leicht schockiert. Die Airbnb-Preise sind unter aller Sau. Normal Wohnung mieten sieht besser aus. Aber ich will nicht aus Buenos Aires weg. Die Stadt ist genial (ja ich wiederhole mich, aber sie ist wirklich genial), sicher und die Argentinier sind mit Abstand die nettesten und höflichsten Latinos. An den Bushaltestellen bilden sie eine Warteschlange und es gibt kein Gedrängel beim Einsteigen in die U-Bahn. Wenn eine Bahn zu voll ist, versuchen sie nicht auf Teufel komm raus reinzukommen, sondern warten auf die nächste. 

Die Fotos unten sind von einer Ausstellung, wo jede Provinz ihre Produkte vorgestellt hat. Viecher waren auch da. Dieses Land ist wirklich interessant. 








18/07/2024

Winter in Buenos Aires

 

Stadtteil Palermo. Liegt gleich neben meinem Stadtteil. Dort bleiben die meisten Touristen, vor allem die jüngeren, weil es viel Nightlife gibt. 

Paul French Gallery - Ein bisschen overpriced, aber sehr nett. 

Das ist nicht meine Wohnung, sondern ein Geschäft. Ich mag die Kissen :-)

Eingang zur Paul French Gallery. Ich muss gestehen, dass Instagram hilft, interessante Ecken in Buenos Aires zu entdecken. 

Blumenladen. Pflanzen stehen auf meiner Einkaufsliste, aber nicht ganz oben. 

Der Flug von Lima nach Buenos Aires war zwar stressig, da Abflug um 22 Uhr und Ankunft Ortszeit 4:00 Uhr, aber ich habe es überlebt. Meine Vermieter standen noch am Ankunftstag um 13:00 Uhr auf der Matte, um ihr Geld abzuholen. Habe drei Monate im Voraus bezahlt, US$ 1500 insgesamt. Natürlich cash. Sergio hatte mir hübsche neue 100-Dollar-Scheine besorgt. So, wie die Argentinier es mögen :-). 

Die Beantragung meines Visums habe ich gestartet und auch schon alle Gebühren bezahlt. War nicht so sehr teuer, weniger als € 100. Nun brauche ich allerdings noch ein Certificado de Domicilio. Das ist so etwas ähnliches wie eine Anmeldebescheinigung in Deutschland. Allerdings reicht mein Mietvertrag nicht. Ich muss mit zwei Zeugen zur Stadtverwaltung gehen. Also zwei Menschen mit einem argentinischen Personalausweis, die gewissermaßen meine Adresse bestätigen. Ist absolut sinnfrei. Ich habe das Hausmeisterehepaar gefragt. Dummerweise ist die Frau gerade bei ihrer Familie in der Provinz. Hier sind ja Winterferien. Deshalb konnte ich den Termin erst für den 29. Juli machen und sie werden mich dann begleiten. Wenn ich dieses Certificado de Domicilio habe, kann ich mit Schritt 2 weitermachen und alle Dokumente hochladen, die sie sehen wollen. 

Ich werde ein bisschen häuslich, habe sogar schon zweimal gekocht. Die Küchenausstattung ist nicht so super, aber das wusste ich. Einige Kleinigkeiten habe ich schon gekauft, aber ich will natürlich nicht wer weiß wie viel Geld ausgeben, solange mit dem Visum noch nichts sicher ist. 

Letzte Woche habe ich eine Deutsche kennengelernt, die schon seit 25 Jahren hier wohnt. Das war sehr nett und es stellte sich heraus, dass sie ungeimpft ist und genauso entsetzt ist über die Entwicklung in Deutschland wie ich. Das hilft, denn dann muss man nicht ständig zweimal überlegen, was man sagt oder lieber nicht. Trotzdem versuche ich, offen zu bleiben. Solange die Leute nicht total woke sind, sollte es normalerweise funktionieren, auch wenn man nicht immer gleicher Meinung ist. Hat es ja früher auch. 

Es war wirklich ziemlich kalt hier, nachts manchmal unter 0°C. Das kennen die Porteños nicht. Aber den ganzen Tag Sonne, sodass ich es nicht so unangenehm fand. Zumal die Luft auch sehr trocken ist. Das hat nur den Nachteil, dass ich mir ständig Hände und Gesicht eincremen muss. Mittlerweile ist es ein paar Grad wärmer geworden.