27/05/2024

Recoleta, Tootsie und Anne Frank

 

Straße in Recoleta

Es war ein kaltes Wochenende, morgens nur 4°C. Aber solange die Sonne scheint, ist es nicht so dramatisch. Und wenn sie nicht scheint, so wie heute, dann bleibe ich halt zu Hause bzw laufe nur einmal kurz zum Café Martinez um die Ecke. Die kennen mich mittlerweile schon. Praktischerweise wird auf Google immer angezeigt, wann viele Leute da sind, so dass ich diese Zeiten vermeiden kann. Aber die Argentinier haben eh einen komplett anderen Rhythmus als ich. Die Cafés sind eher so ab 17 Uhr gut gefüllt. Ich gehe entweder morgens zum Frühstücken dorthin oder am frühen Nachmittag. 

Das ist mein Gebäude. Ich wohne im 9. Stock, aber mit Balkon zur anderen Seite, Avenida Córdoba 6561. Ja, das ist eine ziemlich lange Straße. Block 65 ist der letzte. 

Ich habe es während des momentanen Aufenthalts auch geschafft, mindestens einmal pro Woche etwas zu unternehmen. Von den Ausflügen in den Botanischen Garten und zur Costanera Sur habe ich ja schon berichtet. Ist ja nicht so, dass es man hier nichts machen kann. Sich in Buenos Aires zu langweilen ist schlicht und ergreifend unmöglich. 

An einem besonders schönen Nachmittag habe ich noch einmal einen Ausflug nach Recoleta gemacht. Der Stadtteil ist so ein bisschen wie Barranco in Lima, aber viel größer. 

Eingang vom Friedhof von Recoleta, wo Evitas Grab ist. Dort war ich 2017. Man muss Eintritt bezahlen. 

Der älteste Baum von Buenos Aires (ca 300 Jahre alt) steht gegenüber vom Friedhof

Die Statue des Atlas stützt einen Teil des Baumes. Der Typ daneben hat Tangos gesungen. Das liebe ich ja an Buenos Aires, dass so viele Straßensänger Tangos singen. 

Die Kirche gehört auch zum Friedhof von Recoleta

Das ist ein anderer Stadtteil, hinter dem Teatro Colón. 

Auf den großen Straßen fahren die Busse in der Mitte und dort sind auch die Bushaltestellen

Nachdem ich es ja in den zwei Monaten im Sommer aus irgendeinem Grund nicht ins Theater geschafft habe, wurde es nun Zeit. Ich habe mir Tootsie angeschaut. Der Film mit Dustin Hoffman aus den 80ern, wo er sich als Frau verkleidet hat, um als Schauspieler Erfolg zu haben und sich dann in seine Kollegin verliebt hat. Das war noch lustig. Auch jetzt als Theaterstück, aber wenn ich bedenke, dass sich heute bärtige Kerle Frauenkleider anziehen und behaupten, sie wären weiblich und sich aufregen, wenn man sie "misgendert", könnte ich kotzen. Da ist mir Tootsie doch wesentlich lieber. Und Buenos Aires hat ja noch diese wunderschönen alten Theater. Hach, ich liebe diese Stadt. 




Letzten Freitag war ich dann noch im Anne-Frank-Museum. Um genauer zu sein, heißt es hier Museo Ana Frank. Es war nicht so super spektakulär, aber sie haben mich zur Führung mit einer argentinischen Schulklasse zusammengepackt und nachdem ich mich am Ende als Deutsche geoutet hatte, wurden einige neugierig. Ich aber auch, denn was wissen bzw lernen argentinische Teenager über Deutschland und den Holocaust? Es war ein interessanter Austausch. 

Das Buch in verschiedenen Sprachen

Eine Nachbildung des Zimmers von Anne Frank im Versteck in Amsterdam

Die Gegenstände und die Kleidung sind original aus den 1940er Jahren, haben sie gesagt


Nun bleiben mir noch drei Tage in Mi Buenos Aires Querido. Am Donnerstag fliege ich nach São Paulo, Wiedersehen mit Brasiliens Megastadt nach 25 Jahren. 

18/05/2024

Naturschutzgebiet Costanera Sur (Buenos Aires)

 


Buenos Aires liegt nicht direkt am Atlantik, sondern an der Mündung des Río de la Plata. Anders als in Lima liegen die Wohngebiete nicht direkt am Wasser. In der Provinz Buenos Aires ist das anders. Trotzdem kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut bis an den Fluss. Heute habe ich das Naturschutzgebiet Costanera Sur besucht. Es liegt direkt hinter Puerto Madero. Das ist der modernste und teuerste Stadtteil von Buenos Aires. Allerdings würde ich dort selbst dann nicht wohnen wollen, wenn ich das notwendige Kleingeld hätte. Diese Hochhäuser sind selbst mir zu unpersönlich. Der Spaziergang durch das Naturschutzgebiet hat etwa zwei Stunden gedauert. Leider gab es immer noch Mücken. Ich hatte ja gedacht, die Viecher wären mittlerweile alle tot, nachdem die Temperaturen in den letzten Tagen auf unter 10°C gefallen waren. Dem war nicht so. Sobald ich stehenblieb, um ein Foto zu machen, wurde ich von den Biestern umschwirrt und gestochen. 

Einige der Wolkenkratzer von Puerto Madero

Ich vermute mal, dass hier am Wochenende viel los ist. 

Das ist eine Lagune, noch nicht der Río de la Plata

Wie man sieht, es liegt direkt hinter den Wolkenkratzern

Keine Ahnung, was das ist, aber es war ziemlich groß

Ja, es gibt auch Palmen in Buenos Aires

Das ist der Río de la Plata

Das auch und ganz hinten sieht man die Fähre, die aus Uruguay kommt

Wenn die blöden Mücken nicht gewesen wäre, wäre ich hier eine Weile geblieben


05/05/2024

Botanischer Garten Buenos Aires

 

Der Koffer, den ich Mendoza gekauft hatte, ist gut mit mir zusammen in Buenos Aires angekommen. Ich musste nicht einmal extra bezahlen. Natürlich fange ich jetzt nicht an, mit Koffer durch die Gegend zu reisen. Das gute Stück bleibt hier. 

Dafür, dass ich erst sechs Tage hier bin, habe ich schon einiges erledigt. Das Airbnb gefiel mir auf Anhieb so gut, dass ich schon am zweiten Tag die Besitzer gefragt habe, ob ich es regulär mieten kann. Tja, und nun habe ich einen regulären argentinischen Mietvertrag für Juli, August und September. 500 Dollar im Monat und das Geld wollen sie tatsächlich in Dollar-Scheinen. Bin ja im Juni noch einmal zwei Wochen in Peru, um Papiere für die argentinische Aufenthaltserlaubnis zu holen, da muss ich mir dann auch die Dollar besorgen. 

Eine neue Brille bekomme ich nächste Woche auch. War bei einer Optikerin in der Nähe und die war sooo nett. Überhaupt sind sie hier alle einfach nur nett. Ich liebe diese Stadt. Und ich stelle fest, ich muss nur in Buenos Aires sein, um zu wissen, dass ich gar nicht mehr nomadisch sein will. Es gibt hier ja alles, was ich brauche. So viele Geschäfte, Cafés, Restaurants, Theater, Museen. Es stört mich nicht einmal sonderlich, dass das Wetter schon recht kühl ist. 

Ideal wäre es, wenn ich jedes Jahr so im Juni, Juli und August in Europa sein könnte. Ich habe wieder angefangen, Ungarisch zu lernen und würde da gerne nächstes Jahr ein paar Wochen verbringen. In Budapest (ebenfalls eine Lieblingsstadt), aber auch in einer kleineren Stadt, wo nicht jeder Deutsch oder Englisch spricht. 

Heute war ich im Botanischen Garten. Ein bisschen spazieren gehen, frische Luft schnappen. Morgen muss ich arbeiten, es gibt einiges zu tun. 












26/04/2024

Mendoza

 


Tja, es gibt nicht viel zu erzählen aus Mendoza. Die Stadt ist nett, aber es ist nicht Buenos Aires und ich hatte keine Lust auf Aktivitäten. Also bin ich immer noch so im Umkreis von maximal 3 km von meinem Airbnb durch die Straßen gelaufen. Konnte mich auch nicht dazu durchringen, einen Ausflug zu machen. Weintour? Ich trinke ja nun nicht wirklich Wein, sondern tue ab und zu nur so. Tour in die Berge? Meine Turnschuhe sind in Buenos Aires und noch ein Paar brauche ich eigentlich nicht. Musste Klamotten kaufen, weil es für Sommerkleider jetzt doch zu kalt ist. Anfang April ging das doch, aber dann kam eine fiese Kältewelle und jetzt pendeln die Temperaturen tagsüber so um die 20°C. Meistens scheint die Sonne, ich will also nicht meckern. 

Ziemlich nervig sind die Ampeln hier bzw. die fehlenden Ampeln für Fußgänger. Man muss sich an den Ampeln für die Autofahrer orientieren und das ist bei großen Kreuzungen echt gewöhnungsbedürftig. 

Interessant ist: Kaum bin ich in Argentinien, will ich sesshaft werden. Allerdings in Buenos Aires. Und von dort aus kann man dann ja Ausflüge machen. Ich mag dieses Land wirklich. Nur das Essen ist nicht optimal für mich. Viel zu viel süßes Zeug zum Frühstück und ständig Empanadas. Bin mir ziemlich sicher, dass ich einige Kilo zugenommen habe. In Buenos Aires werde ich kochen, habe eine App gefunden, die mir ziemlich gute Rezepte vorschlägt und sogar Einkaufslisten erstellt. Hier in Mendoza ist meine Küche nicht so optimal. 

Ich hatte einen Online-Termin mit einer Immigrationsanwältin, die eine totale Idiotin war. Sie hat mir tatsächlich vorgeschlagen, mich an einer argentinischen Uni einzuschreiben, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Nein, danke. Die Unis sind hier ähnlich woke und links wie in Deutschland. Davon abgesehen bin ich aus dem Uni-Alter raus. Die zweite Idee der Anwältin war dann, dass eines meiner Kinder nach Argentinien zieht. Als Brasilianer ist das nämlich unproblematisch und ich bekäme dann eine Aufenthaltserlaubnis als Familienmitglied. Ich war nach diesem Online-Termin so frustriert, dass ich nochmal mit Sergio gesprochen habe und der macht mir jetzt Dokumente fertig, die bestätigen, dass ich Dividenden von einer peruanischen Firma erhalte. Damit sollte ich ein Rentista Visum beantragen können. Sergio ist sich sicher, dass es klappt. Wahrscheinlich tut es das. Jedenfalls muss ich deswegen noch einmal nach Peru. Im Juni, so für zwei Wochen wahrscheinlich. 

Medialunas








Gesünder als Medialunas: Toast mit Avocado und Ei

03/04/2024

Mit dem Bus über die Anden

 

Wolken über Santiago. Die letzte Nacht hatte ich in einem IBIS-Hotel direkt neben dem Busbahnhof verbracht, um am Reisetag Stress zu vermeiden. 

Blick auf den Busbahnhof von meinem Hotelzimmer im 7. Stock. 

Los geht's. Ich sitze schon im Bus und wir verlassen jetzt den Busbahnhof. 

Am Anfang ist auf dem Weg durch die Anden noch Grün zu sehen und der kleine Fluss begleitet uns eine ganze Weile. 

Ab und zu sieht man einzelne Häuser oder winzige Dörfer. 

Wegen des langen Wochenendes sind viele Autos und Busse unterwegs, aber wir kommen ganz gut voran.

 

Das ist das letzte Stück vor der Grenze. Es geht im Zickzack nach oben. Caracoles nennen sie das auf Spanisch, Schnecken. Danach kommt ein Tunnel und dann sind wir zwar schon in Argentinien, aber bis zur Grenzkontrolle dauert es noch ein paar Kilometer. 

Auch hier ab und zu ein Haus. 

Ich glaube, das sind irgendwelche Regierungsgebäude. Dort oben ist ja nichts. Weit und breit kein Geschäft und Landwirtschaft geht da ja auch nicht. 

Die formelle Grenzüberquerung mit Pass- und Gepäckkontrolle hat dann gut zweieinhalb Stunden gedauert. Das war echt nervig. Witzig war allerdings meine Passkontrolle. Der Beamte fragt mich auf Englisch: Sprechen Sie Englisch? Ich antworte auf Spanisch: Ja, aber Spanisch ist mir lieber. Daraufhin der Beamte: Mir auch :-D. 

Auf der argentinischen Seite ging es dann wieder abwärts, die Sonne schien und es wurde wieder grüner. 




Die Fahrt war zwar anstrengend, aber sie hat sich gelohnt. Und nun bin ich vier Wochen in Mendoza. Auf den ersten Blick wirkt es sehr ruhig, aber das liegt vielleicht daran, dass auch Argentinien ein langes Wochenende hatte. Erst Karfreitag und Ostern, dann Montag Brückentag und heute Día de las Malvinas. Der Tag zum Gedenken an die argentinischen Soldaten, die 1982 im Falkland-Krieg gefallen sind.