16/12/2022

Zurück am Meer

 


Nach mehr als einem halben Jahr habe ich nun wieder das Meer vor der Haustür. Die Adria diesmal. Von Tirana aus ging es am Mittwoch mit einem Minibus nach Vlora. Etwas mehr als zwei Stunden Fahrt, Kostenpunkt etwa 9 Euro. Am Ankunftstag war es sehr stürmisch und kühl, so dass ich schon befürchtete, doch noch dickere Winterkleidung zu brauchen. Stattdessen waren es dann am Donnerstag 21°C und heute 23°C und es war gar keine Jacke mehr nötig. Mein Airbnb hat einen Balkon, aber es gibt auch wieder jede Menge Cafés und Restaurants gleich um die Ecke. Es sind zwar kaum Touristen hier, aber trotzdem hat alles geöffnet. 

Gestern habe ich den Nachmittag mit einem deutschen Neunomaden verbracht, der mit dem Auto gekommen ist. Albanien ist seine erste Station. Es war wirklich nett, aber irgendwann kam das Gespräch doch auf Corona und es stellte sich heraus, dass der gute Mann sich vor seiner Abfahrt noch eine vierte Impfung abgeholt hatte, sämtliche Corona-Maßnahmen total sinnvoll fand und der Meinung war, dass Deutschland gut durch die Pandemie gekommen ist. Er konnte es zwar akzeptieren, dass ich nicht geimpft bin, war aber gleichzeitig der Meinung, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht sinnvoll ist und meinte, er würde es als Mord betrachten, wenn eine ungeimpfte Alterpflegerin einen Bewohner mit Covid ansteckt und der dann stirbt. Ich hätte gerne gefragt, ob es dann nur fahrlässige Tötung ist, wenn die Altenpflegerin geimpft ist, aber als er dann auch noch damit ankam, dass es ja bewiesen wäre, dass Geimpfte zum einen einen weniger schweren Verlauf und zum anderen eine geringere Viruslast hätten, wenn sie Corona bekämen, habe ich meine Klappe gehalten. Manche Menschen sind leider dermaßen hirngewaschen, denen ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen. Nun denn, es war sein letzter Tag in Vlora, also werden wir uns kein zweites Mal treffen. Am besten ist es wohl, dieses Thema zukünftig komplett zu vermeiden. Außer, man weiß genau, wie der andere tickt. 

Die Strandpromenade ist ein bisschen wie der Malecón in Lima

Blick vom Balkon Richtung Berge

Blick vom Balkon Richtung Meer

Die Muradie-Moschee ist ungefähr 500 Jahre alt.  Man kann wohl auch reingehen, muss ich noch mal schauen. 

Unabhängigkeitsdenkmal

Vloras historisches Zentrum ist nur diese eine Straße

Erste Katzenbekanntschaft. Insgesamt gibt es hier aber mehr Straßenhunde. 

Skyline von Vlora sozusagen

Hier wurde 1912 die Unabhängigkeitserklärung von Albanien unterschrieben. Ist heute ein Museum, das ich irgendwann in den nächsten Wochen besuchen werde. 

11/12/2022

Tirana, Albanien - Teil 2

 

Das Foto oben zeigt den Eingang zum Bunker des albanischen Innenministers. Es ist heute ein Museum. In ganz Albanien gibt es fast 200.000 solcher Bunker. Schon auf der Fahrt von Pristina nach Tirana habe ich einige gesehen. Die meisten natürlich kleiner. Gebaut wurden sie auf Befehl des kommunistischen Diktators Enver Hoxha in den Siebziger Jahren. Der Mann war wohl total paranoid und hat überall Feinde gewittert und einen Überfall auf das völlig unwichtige Albanien befürchtet. Tatsächlich war Albanien lange wie Nordkorea, komplett isoliert und mit einer verarmten und oft Hunger leidenden Bevölkerung plus einem Diktator, der einen Personenkult um sich aufbaute. Enver Hoxha starb 1985, aber anders als die anderen osteuropäischen Länder fand Albanien erst 1991 den Weg zurück in die Demokratie. Die Witwe von Hoxha lebte übrigens bis 2020 in Tirana, die war weit über 90, als sie starb. Ich wüsste zu gerne, was die über die Veränderung des Landes gedacht hat. Wie die Mehrheit aller Osteuropäer haben auch die Albaner die halbherzigen Corona-Restriktionen ihrer Regierung weitgehend ignoriert. Impfquote unter 50%, Boosterquote so gut wie inexistent. 

Das Foto unten zeigt das Arbeitszimmer des Innenministers im Bunker. Tatsächlich trat niemals die Situation ein, dass jemand in die Bunker ging. Nicht einmal während der Proteste 1991, die die kommunistische Diktatur beendeten. 


Im Zentrum von Tirana wurden und werden viele neue und sehr moderne Gebäude gebaut, während in der Nachbarschaft immer noch hässliche alte Häuser aus den Zeiten des Kommunismus stehen. So etwas wie eine Altstadt gibt es nicht. 

Skanderbeg-Platz

Zwischen 1967 und 1991 war Albanien das einzige atheistische Land der Welt. Religionsausübung war verboten. Ich halte Religionen für absoluten Schwachsinn, aber wenn jemand irgendeinen Gott anhimmeln möchte, soll er das bitte schön tun. 

Katzen gibt es natürlich auch

Das Toptani ist ein fünfstöckiges Einkaufszentrum mit zum Teil ziemlich teuren Geschäften. 

Eine der Brücken über den Lana-Fluss (der sehr mini ist)

Es gibt so einige Weihnachtsbäume im Zentrum

Wie schon erwähnt ist der Stadtpark wirklich schön

Zumal sich im ganzen Park Cafés finden, in denen man bei gutem Wetter tatsächlich auch im Dezember noch draußen sitzen kann. 

Das ist ein Theater

Ein bisschen Grün, nur zwei Minuten zu Fuß von meinem Airbnb

"Fress- und Trink-Meile :-)"

Am 6. Dezember fand der EU-Westbalkan-Gipfel in Tirana statt. Alles war geschmückt und abgesperrt wegen der vielen "wichtigen" Politiker, Scholz, Macron, Meloni, von der Leyen (extra kotz), Orban etc.

Einer der Eingänge zum Bunkersystem von Enver Hoxha

Und neben dem Bunker ein Stück Berliner Mauer

Blick aus meinem Schlafzimmerfenster :-D

Das Lana-Flüsschen

Wenn man die Häuser bunt anmalt, sehen sie gleich hübscher aus. 

Tja, und am Mittwoch geht es nun weiter nach Süden, in die Küstenstadt Vlora. Nach gut sechs Monaten wieder am Meer. Albanien war bisher eine sehr positive Überraschung. Angenehmes Wetter, nette Menschen, gutes Essen und ein bisschen Lateinamerika-Touch. 

02/12/2022

Tirana, Albanien - Teil 1

 


Von Prizren ging es mit dem Bus weiter nach Tirana. Ein Minibus brachte mich zunächst vom Busbahnhof zur Autobahn, wo der große Bus wartete, der aus Pristina kam. Im Minibus saß ich neben einem argentinischen Ehepaar. Auch Dauerreisende und sogar noch älter als ich. Es war so nett, mal wieder Spanisch sprechen zu können. Ich vermisse es irgendwie doch ein bisschen, mein Lateinamerika. 

Der große Bus war total voll, was mich überraschte. So viele Leute unterwegs an einem Mittwochvormittag im November. Nun gut, ich saß ganz hinten bei einer Gruppe junger Kosovaren. Einer lebte in Kanada und hatte auch kanadische Staatsangehörigkeit und erzählte mir, dass er als Security für Justin Trudeau gearbeitet hatte und dass der Typ total unsympathisch und arrogant wäre. Wieso hat mich das so gar nicht überrascht?

Zwischen Kosovo und Albanien gibt es keine richtigen Grenzkontrollen. Wir haben zwar kurz angehalten, aber niemand wollte meinen Pass sehen. Man hatte mir zwar versichert, dass das so alles in Ordnung wäre, aber ich war doch etwas verunsichert und bin am nächsten Tag zur Immigration in Tirana gefahren. Dort haben sie mir noch einmal bestätigt, dass ich bei meiner Ausreise den Einreisestempel vom Kosovo und eventuell meine Hotelreservierung in Prizren zeigen soll, falls jemand fragt. Soll wohl heißen, dass ich offiziell gar nicht in Albanien bin. 

Die erste Woche hier hat es nur geregnet, den ganzen lieben langen Tag lang. Trotzdem war mir die Stadt von Anfang an sympathisch. Der gleiche chaotische Verkehr wie in Lima. Und dabei sind die Zebrastreifen hier so schön bunt. Trotzdem hält niemand an bzw erst dann, wenn du regelrecht vor das Auto springst. 

Ansonsten jede Menge Cafés, kleine Geschäfte, Bäckereien. Ähnlich wie im Kosovo sind die Cafés nie leer. Auch die Albaner scheinen ständig Kaffee zu trinken. Während der Kosovo eher einen deutschen Touch hat, überwiegt in Albanien ganz klar das Italienische. Viele Produkte im Supermarkt kommen aus Italien und selbst meine Migränetabletten sind italienisch. Die Italiener haben auch eine ziemlich große Botschaft hier. Mein Airbnb ist zwar in einem ziemlich alten und hässlichen Haus, aber der Stadteil ist genial.


Es ist tatsächlich noch warm genug, um draußen zu sitzen

Der Mariott-Komplex sieht ziemlich futuristisch aus. 

Universität Tirana

Der Stadtpark mit See ist total schön

Hier nochmal von der anderen Seite

Mal wieder Selfie-Alarm. Irgendwie ist die neue Frisur fotofreundlicher, auch wenn ich mich immer noch nicht wirklich an die kurzen Haare gewöhnt habe. 

Weihnachtlich sieht es auch schon aus. Im Hintergrund das höchste Gebäude Tiranas. Ist aber noch nicht fertig. 

Am 28. November war Unabhängigkeitstag und überall hingen albanische Flaggen

Kein Schloss, sondern ein Restaurant

Ich werde noch einen Artikel über Tirana schreiben. Sowohl die Stadt als auch das Land Albanien sind bisher eine sehr positive Überraschung. 

15/11/2022

Liebenswertes Prizren


Prizren liegt im Südwesten des Kosovo und ist wahrscheinlich die hübscheste Stadt des Landes. Ich habe hier einen ähnlichen Mini-Break wie in Ohrid gemacht, aber diesmal mit Unterricht. Da ich wochentags nur noch abends 2-3 Stunden unterrichte, war das kein Problem. Ich neige ja nicht dazu, den ganzen Tag durch die Gegend zu laufen und dann abends total erschöpft zu sein. 

Mit dem Wetter hatte ich auch Glück. Als ich gestern ankam, schien die Sonne und heute war es zwar bewölkt, aber von den Temperaturen völlig okay. Die Busfahrt von Pristina nach Prizren dauerte knapp zwei Stunden und kostete 5 Euro. Wir haben ziemlich oft angehalten, damit Leute ein- und aussteigen können. 

Ich habe hier ein sehr nettes Hotel mit super Frühstück im Zentrum. Und natürlich sprechen die Besitzer Deutsch. Es ist wirklich verrückt, wie viele Menschen im Kosovo Deutsch sprechen. 

Gestern habe ich einen Stadtbummel gemacht und heute bin ich hoch zur Festung. Es ging ziemlich steil hoch und ich habe entsprechend geschnauft. Trotzdem war zurück stressiger. Ich laufe nicht gerne steile Wege herunter, weil ich immer Panik habe, dass ich ausrutsche. Aber natürlich ist alles gut gegangen und ich habe mir dann unten in der Stadt noch einen Cappuccino gegönnt. 

Es gibt hier recht viele Moscheen und ich muss ganz ehrlich sagen, dass diese Gebetsaufrufe absolut nervig sind. Allerdings machen die Menschen nicht den Eindruck, sonderlich religiös zu sein. Man sieht weniger Frauen mit Kopftuch als in Deutschland. Zum Glück sind diese Gebetsaufrufe nicht allzu laut. 

Nun hat es doch angefangen zu regnen und ich sitze auf dem Bett, schreibe und lese ein bisschen. 

Hier ist eine Auswahl an Fotos aus Prizren. 

Stadtzentrum mit Moschee im Hintergrund

Entlang des kleinen Flusses gibt es viele Cafés. Oben auf dem Berg ist die Festung. 

Eine der Gassen im Zentrum

Eine der Moscheen

Eine Kirche gibt es auch

Blick auf Prizren von der Festung aus

Teile der Festung

Die Berge hinter der Festung

Moschee mit Souvenir-Ständen nebenan

Sieht alles sehr orientalisch aus

Mein Cappuccino war sehr mini und kam mit Sahne :-). Kostete €1,50. 

Mein nächster Mini-Break kommt im Januar. Die nächsten zwei Monate werde ich in Albanien verbringen und hoffe, dass es nicht allzu kalt wird. In der Expat-Gruppe wurde mir gesagt, dass es in Tirana verboten ist, drinnen zu rauchen. Das freut mich sehr, denn Tirana hat weltweit die höchste Dichte an Cafés pro Einwohner und ich habe keine Lust, immer nur in meinem Airbnb zu sitzen, wenn ich etwas schreiben muss. 

09/11/2022

Eindrücke aus Prishtina

 

Die Hauptstadt des Kosovo ist keine Schönheit, aber sie hat Charakter und Atmosphäre. Zumindest die Innenstadt. Und sehr nette und freundliche Menschen. Gut, das war in Serbien und Mazedonien nicht anders, aber der Kosovo ist nicht wirklich touristisch und die Menschen waren neugieriger und haben oft gefragt, woher ich komme. Deutschland ist hier sehr populär und Deutsch die zweite Fremdsprache in der Schule, hat man mir erzählt. Auf der Straße höre ich fast nur Albanisch, obwohl Serbisch die zweite Amtssprache ist. Aber fast alle Menschen hier sind ethnische Albaner. Es sind auch fast alle Muslime, aber trotzdem laufen weniger Frauen mit Kopftuch herum, als es in Deutschland der Fall ist und auch weniger als in Skopje. Die große Fußgängerstraße heißt Mutter-Teresa-Boulevard und es gibt auch eine Mutter-Teresa-Katedrale. Offensichtlich ist die Nationalität von Mutter Teresa (gebürtige Albanerin) also wichtiger als ihre Religionszugehörigkeit (katholisch). Statuen von Bill Clinton und Madeleine Albright gibt es auch, worüber man natürlich geteilter Meinung sein darf. 

Total verrückt ist, dass hier auch wochentags total viele Menschen auf der Straße und die Cafés voll sind. Als ob niemand arbeiten würde. Sowas habe ich echt noch nie erlebt - außer natürlich in Touristenorten im Sommer. Mittlerweile finde ich das übrigens ziemlich nervig, denn Menschenmassen um mich herum mag ich nun einmal nicht. 

Der Herbst ist jetzt auch endlich angekommen und es wird zunehmend kühler. Das hat den großen Nachteil, dass ich nicht mehr im Straßen-Café sitzen kann. Ich habe es einmal drinnen versucht, aber die Leute hier rauchen genauso schlimm wie in Serbien und das halte ich einfach nicht aus. Ich fürchte, in Albanien wird es genauso sein, also gibt es bis Mitte Januar wohl nur Pulver-Cappuccino aus dem Supermarkt :-(. 

Beim Friseur war ich auch. Der neue Haarschnitt ist kürzer geraten, als ich mir vorgestellt hatte. Es fühlt sich etwas seltsam an, nach hinten zu fassen und plötzlich sind irgendwie fast keine Haare mehr da. Wirklich happy bin ich nicht, aber zum Glück haben Haare ja die Eigenschaft, dass sie nachwachsen. 

Wenigsten sieht man jetzt endlich meine vielen hübschen Ohrringe :-)

Mutter-Teresa-Katedrale

Das ist die sehr futuristisch wirkende Universitätsbibliothek von Prishtina

Der Bau der serbisch-orthodoxen Christ-Erlöser-Kirche begann 1995 und wurde von Belgrad aus forciert. Das Gebäude ist weiterhin ein Rohbau und es ist nicht klar, was damit passieren soll. 

02/11/2022

Hallo Kosovo - Europas jüngster Staat

 


So schnell bin ich noch nie von einem Land ins andere gekommen. Abfahrt in Skopje um 11:45 Uhr, Ankunft in Prishtina um 13:30 Uhr. Im Bus mussten wir uns mit Namen und Passnummer in eine Liste eintragen, die wurde auf der nordmazedonischen Seite abgegeben, das war's. Auf der kosovarischen Seite mussten wir einmal aussteigen, aber auch das war eine Sache von fünf Minuten. Der Grenzbeamte sprach Deutsch mit mir, als er meinen Pass sah und der Taxifahrer in Prishtina erzählt mir auf Englisch, dass zwei seiner Söhne in München leben würden. 

Der erste Eindruck ist sehr nett und es ist ganz angenehm, mal wieder Euro benutzen zu können. Eine Kugel Eis kostet hier 50 Cent :-). Und natürlich ist es genial, im November noch Eis essen zu können. Dafür ist mein Handy-Internet teurer als in Nordmazedonien und Serbien, 20 Euro für 10 GB. 

Mein Airbnb liegt ziemlich zentral und es gibt jede Menge Cafés in der Nähe. Nervig ist nur, dass es jetzt um 17:00 Uhr tatsächlich schon total dunkel ist. 

Blick vom Balkon. Nur 5. Stock diesmal.