Vor vielen Jahren hatte ich eine Kinderpatenschaft für ein Mädchen, das irgendwo hier in der Nähe lebte. Ganz ehrlich, hier zu leben, ist extrem hart aufgrund der klimatischen Bedingungen. Quilotoa liegt auf knapp 4000 Meter Höhe, d.h. es ist eigentlich immer kalt. Mit Sonne geht es, aber wenn es so ist wie heute (windig, neblig, Nieselregel) kann man eigentlich nur mit dicker Decke im Bett bleiben. Ganze 7°C sind es. Eigentlich wollte ich nach unten zum Seeufer laufen und habe mich auch trotz fehlender Sonne auf den Weg gemacht. Nach 50 Metern habe ich kehrt gemacht, weil mir der Wind schon Tränen in die Augen getrieben hat und es angefangen hat zu nieseln. Muss ich nicht haben. Mein Hotel ist direkt gegenüber von der Aussichtsplattform, von der aus man den See wie auf dem Foto oben sieht. Das muss reichen. Der See liegt übrigens in einem Vulkankrater. In gewisser Weise stand ich jetzt also mal oben auf einem Vulkan.
Die Anfahrt war leicht abenteuerlich. Zuerst mit dem Uber zum südlichen Busbahnhof Quitumbe in Quito. Süd-Quito ist kein Ort, wo man als Gringo einfach so durch die Straßen laufen sollte, aber der Busbahnhof selbst scheint recht neu zu sein und liegt etwas außerhalb der tatsächlichen Stadtviertel.
Zuerst musste ich nach Latacunga. Das liegt ca 100 km südlich von Quito, das Busticket kostete US$ 2,70 und die Fahrt dauert gut 2,5 Stunden. Wir haben alle naselang angehalten, damit Leute ein- und aussteigen konnten und ambulante Verkäufer kamen in den Bus. Mich hat man ca 500 Meter vom Busbahnhof Latacunga an der Panamerica "rausgeschmissen". Da hatte ich verstanden, warum bei manchen Bussen in Quito "Latacunga Terminal" stand und bei manchen nur "Latacunga". Nun gut, zum Glück habe ich nicht übermäßig viel Gepäck und am Busbahnhof (Terminal) angekommen, fand ich auch schnell einen Bus nach Quilotoa. Nochmals knapp zwei Stunden Fahrt für ca 70 km. Diesmal ging es hoch und die Vegetation wurden immer karger. Anders als in Peru in den Anden waren aber mehr Schafe als Lamas oder Alpakas zu sehen.
In den Bussen und hier in Quilotoa tragen die Frauen fast alle ihre traditionelle Kleidung. Und diese Haare, hach, da kommt Neid auf. Egal, wie alt, alle haben sie einen geflochtenen Zopf bis zum Po. Und die meisten sind ein Stück kleiner als ich. Untereinander sprechen sie Quechua. Ich mag diese ganzen andinen Traditionen sehr.
Gestern habe ich mit einem Engländer zu Abend gegessen, den ich nachmittags kennengelernt hatte, weil er auf der Suche nach einem Geldautomaten war, den es aber leider nicht gibt. Das Problem ist, dass fast alles über Bargeld läuft. Bei kleinen Beträgen finde ich das gut, aber wenn du auch deine Unterkunft bar bezahlen musst und damit nicht gerechnet hattest, ist das natürlich blöd. Das ganze Dorf Quilotoa besteht größtenteils aus Souvenirgeschäften, aber keine Kartenzahlung. Wechselgeld ist auch ein Problem. Als ich gestern meinen Kaffee mit einem 20-Dollar-Schein bezahlen wollte, ist die Bedienung fast in Ohnmacht gefallen und musste erst einmal irgendwohin laufen, um sich Kleingeld zu besorgen.
Tja, ansonsten habe ich jetzt doch mehr Zeit im Bett hockend und mit Arbeit verbracht, als ich gedacht hatte, aber das ist nun einmal so. Es folgen in den nächsten Wochen noch drei Orte auf großer Höhe und mit entsprechenden Temperaturen und dann fängt mein Frühling/Sommer an, so ab Oktober.






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