14/09/2025

Zwischenstop Potosí

 


Potosí liegt auf über 4000 Meter Höhe. Es ist die alte Minenstadt Bolivien und eigentlich hatte ich hier gar keinen Stop geplant. Aufgrund der ersten Buserfahrung von Copacabana nach La Paz habe ich mir dann aber überlegt, dass ich statt einer siebenstündigen Busfahrt lieber zwei kürzere Fahrten mache. Die Straßen sind hier nämlich wirklich gewöhnungsbedürftig. Wobei es zwischen Copacabana und La Paz schlimmer war. Da ich weiterhin im (auf dem) Altiplano unterwegs bin, gibt es auch keine fiesen Kurven. Man hat es kaum bemerkt, dass es 1200 Meter weiter nach oben ging. 

Ähnlich wie in La Paz hat der blöde Bus wieder keinen richtigen Busbahnhof angefahren, sondern plötzlich hieß es "alle aussteigen". Finde ich wirklich nicht witzig, wenn ich mit meinem ganzen Gepäck an irgendeiner Straßenecke stehe und weit und breit die einzige Gringa bin. Ich wusste, dass es in Potosí kein Uber gibt, musste also ein Taxi anhalten. 10 Bolivianos (= € 1,20) für 3 km ins Zentrum. Bei solchen Preisen diskutiere ich gar nicht. Wenn der Taxifahrer mir doppelt so viel berechnet wie einem Bolivianer, gönne ich ihm das. 

Mein Hotel ist mit € 50 pro Nacht sehr teuer für Bolivien, aber ein bisschen Luxus muss ja ab und zu sein. Mein Zimmer hat sogar eine Heizung. Die hat mir Schlafprobleme verursacht 😀. Tatsächlich ist es hier weniger kalt, als ich erwartet hat, aber selbst, wenn dem nicht so wäre: Mit voll aufgedrehter Heizung kann ich genauso wenig schlafen wie mit Klimaanlage. Heute morgen habe ich Bescheid gesagt und jetzt ist sie aus. 

Potosí hat ein hübsches Zentrum mit Fußgängerzone, das war eine positive Überraschung. Nicht sehr groß, sodass ich mit zwei Spaziergängen gestern und heute einen guten Eindruck bekommen habe. Man muss sich ja nicht stressen. Ich muss mich schließlich mental auf die Uyuni-Tour am Montag oder Dienstag vorbereiten. Da Uyuni relativ klein ist, hoffe ich, dass der verdammte Bus mich morgen ausnahmsweise mal in der Nähe meines nächsten Hotels absetzt. 












Sucre - die Geburtsstadt Bolivien


Die 10 Tage in Sucre vergingen schnell und relativ ereignislos. Mein Airbnb war extrem gemütlich und das hat dann ja gerne zur Folge, dass ich gerne drinnen bleibe. Außerdem hat mich ein Schnupfen erwischt. Nichts Dramatisches, nur laufende Nase, aber somit hatte ich eine weitere Ausrede, es mir zu Hause gemütlich zu machen. 

Natürlich habe ich ein bisschen etwas von Sucre gesehen. Mit den vielen weißen Gebäuden im Zentrum erinnerte es mich an Arequipa in Peru. Aber Bolivien ist insgesamt noch quirliger. Viele kleine Geschäfte, viele Straßenverkäufer. Und überhaupt keine morgendliche Café-Kultur. Das war mir ja vor zwei Jahren schon in Santa Cruz aufgefallen. Bei meinen täglichen Cappuccinos saß ich immer mutterseelenallein im Café. 

Da Bolivien dieses Jahr am 6. August 200 Jahre Unabhängigkeit gefeiert hat und die Unabhängigkeitserklärung in Sucre unterschrieben wurde, hingen in der ganzen Stadt noch sehr viele bolivianische Flaggen. Ok, vielleicht ist das immer so. Die Bolivianer sind sehr traditionell und sehr stolz auf ihr Land, das war ganz klar mein Eindruck. Bolivien ist irgendwie anders. Leben möchte ich hier nicht, aber irgendwie mag ich das Land. 























 

07/09/2025

Von Copacabana nach Sucre

 


Nach dem Wochenende in Copacabana ging es am Montag weiter mit dem Bus nach La Paz. Ich musste gar nicht bis zum Busbahnhof laufen, weil mir auf der Hälfte des Weges ein Bus entgegenkam und wie in den Anden üblich, halten die ja bei jedem möglichen Fahrgast. Der Titicaca-See war die Hälfte der Strecke noch zu sehen, der ist wirklich riesig. Einen minimalen Schreck bekam ich, als der Bus plötzlich auf eine Mini-Fähre fuhr. Bei einer genaueren Inspektion von Google Maps sah ich, dass da tatsächlich ein Stück Straße fehlte. Also setzten sie Holzboote ein, die gar nicht vertrauenserweckend aussahen, aber wir sind heil rübergekommen. 

Die Straße war teilweise extrem schlecht. Ich war froh, dass mein Frühstück unten blieb. Der letzte Teil durch La Paz dauerte zudem ewig lange. Wir sind zunächst durch El Alto gefahren und es wäre sinnvoll gewesen, dort auszusteigen, weil dort der Flughafen ist und mein Hotel dort lag. Allerdings hatte ich gelesen, dass El Alto einen ähnlich schlechten Ruf hat wie Callao (wo der Flughafen von Lima liegt), also blieb ich sitzen. Natürlich endete die Fahrt nicht am großen Busbahnhof von La Paz, sondern irgendwo in der Stadt. Zwei Versuche, ein Uber zu bekommen, scheiterten. In einen überfüllten Mikrobus wollte ich nicht, Taxi auf der Straße anhalten schon gar nicht.  Also bin ich eine halbe Stunde bis zur passenden Teleférico-Station (Seilbahn) gelaufen, die mich in El Alto in der Nähe meines Hotels absetzen würde. 

War eine gute Entscheidung, denn so habe ich La Paz und El Alto ein bisschen von oben gesehen. Etwa 10 Minuten dauert die Fahrt und je höher es ging, desto mehr sah es unter mir wie eine Favela aus. Die Teleférico-Station war aber sehr modern und dort konnte ich dann auch ein Uber rufen, das mich zu meinem Hotel gebracht hat. Dort habe ich mich dann nicht mehr weggerührt. 





Am nächsten Tag hatte ich dann zwei kurze Flüge und viel Wartezeit. Jeder Flug gut 30 Minuten und an den Flughäfen La Paz/El Alto jeweils drei Stunden am Flughafen abhängen. War eine beschissene Verbindung, aber mit dem Bus hätte es noch länger gedauert und am Flughafen konnte ich zumindest Cappuccino trinken und arbeiten. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut das Internet mittlerweile auch in Bolivien ist. 

Gegen 19:00 Uhr kam ich in Sucre an. Mini-Flughafen und es warteten exakt drei Taxifahrer auf eventuelle Fahrgäste. Ich muss dazu sagen, dass das Flugzeug ebenfalls mini war, 13 Reihen und jeweils nur vier Plätze pro Reihe. Die meisten Passagiere wurden abgeholt und die drei Taxifahrer teilten den Rest unter sich auf. Ich hatte noch eine andere Person im Taxi und musste für die 30 km bis zu meinem Airbnb nur etwa 7 Euro bezahlen. 

So bin ich also jetzt in Sucre, eine sehr wuselige, aber nicht allzu große Stadt mit einem sehr schönen historischen Zentrum. Es ist eigentlich auch Hauptstadt, hier wurde vor exakt 200 Jahren die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben. Da es "nur" auf 2800 Metern Höhe liegt, ist auch das Wetter viel angenehmer. Trotzdem habe ich es leider geschafft, mir eine Erkältung einzufangen. Eigentlich nur Schnupfen, aber es nervt und ich hoffe, dass es schnell wieder vorbei ist. 

Zu Sucre gibt es dann noch einen extra Post. 

01/09/2025

Copacabana, Bolivia

 


Nun bin ich also zum zweiten Mal in Bolivien. Immer noch am Titicaca-See. Die Fahrt von Puno bis hierher hat etwa zwei Stunden gedauert - woran man sehen kann, wie riesig dieser See ist. Die Grenzüberquerung war superschnell. Keine Fragen von den Bolivianern und die Peruaner haben meinen Pass gestempelt. Das fand ich nett, denn am Flughafen machen sie das ja nicht mehr. Konnte auch gleich an der Grenze fix ein paar Soles in Bolivianos wechseln, so dass ich schon etwas Bargeld hatte. Habe dann aber auch problemlos einen Automaten gefunden, der mir 1000 Bolivianos gespuckt hat. Das sind momentan ca 125 Euros. Bolivien hat gerade eine relativ hohe Inflation - was für Besucher ja immer angenehm ist. 

Mein Hotel ist ein Traum, was die Aussicht und das Zimmer betrifft, aber das Personal ist praktisch nicht existent. Es gibt eine Rezeption, wo man klingeln muss, und vielleicht kommt dann jemand, vielleicht aber auch nicht. Morgens bekommt man sein Rührei von einem sehr wortkargen Typen serviert, den Rest muss man sich selber zusammensuchen, Erklärungen gibt es nicht. 

Mein Zimmer - 3 Nächte für 68 Dollar inklusive Frühstück

Die Aussicht von meinem Zimmer. Die Terrasse gehört auch zum Hotel

Frühstücksraum

Da das Zimmer so extrem gemütlich und hübsch war und ich nach den zwei Tagen mit Touren in Puno auch nicht extrem viel Lust auf Aktivitäten hatte, hatte ich ein ruhiges Wochenende. Bin nur einmal einen Hügel hochgelatscht und war zweimal im Stadtzentrum, um etwas zu futtern. Aber es ist ein nettes kleines Städtchen und der See ist wirklich traumhaft. Der Ausblick hat mich zum Arbeiten motiviert, sodass ich am Wochenende einiges geschafft habe 😀. 

Morgen geht es mit dem Bus nach La Paz und von dort am Dienstag mit Flugzeug nach Sucre, wo die Temperaturen dann tagsüber wieder höher sind. Hier waren es heute gerade mal 12°C - aber zum Glück mit strahlendem Sonnenschein.