04/10/2022

Katzenstadt Ohrid


Manche Dinge sind einfach perfekt und meine zwei Tage in Ohrid gehören dazu. Das Wetter hat mitgespielt, meine Unterkunft war super und der See ist einfach traumhaft schön. Es gab noch mehr Touristen, als ich gedacht hatte und ich habe viel Deutsch gehört. Lag vielleicht daran, dass der 3. Oktober in Deutschland ein Feiertag ist. Heute hatte ich ein nettes Gespräch mit einer Familie aus Norwegen. Wir hatten auf der Festung einige Worte auf Englisch gewechselt und nachdem ich sie untereinander sprechen hörte und das sehr skandinavisch klang, habe ich sie gefragt, woher sie kommen. 

Die Mazedonier scheinen alle Englisch zu sprechen. Selbst die Frau auf der Post ist sofort ins Englische gewechselt. Das war in Serbien anders gewesen und deshalb hatte ich mir alle notwendigen Wörter auf Mazedonisch übersetzt. Ist übrigens dem Serbischen recht ähnlich. Was die Preise betrifft, so ist es hier teurer als in Serbien, aber das kann auch daran liegen, dass Ohrid so touristisch ist und ich nur im Stadtzentrum unterwegs war. Mal sehen, wie das in Skopje ist. 

Es gibt total viele Katzen hier und die meisten sind nicht scheu. Das Beste war, als ich gestern in einem Restaurant beim Mittagessen saß und mein Moussaka verspeisen wollte. Plötzlich standen drei Katzenkinder neben mir und forderten laut miauend ihren Anteil. Sie haben ihn bekommen. 

Ich habe unglaublich viele Bilder gemacht und werde einfach mal einige davon posten und kurz kommentieren, bevor ich hier einen langen Text schreibe. 

Aussicht von meinem Balkon. Im ganzen historischen Zentrum sind Apartments zu mieten. 

Seeromantik

Es gibt verdammt viele Kirchen und ich habe keine Ahnung, welche dies nun ist. 

Spaziergang am See

Auf der anderen Seite müsste schon Albanien sein. 

Sieht fast aus wie ein Gemälde, die Farben des Sees sind unglaublich. 

Hier noch einmal dieses wunderschöne Blau. 

Viel Wald gibt es auch. 

Die berühmteste Kirche in voller Schönheit

Das ist das Antike Theater. Diese Stadt ist sehr alt. Laut griechischer Mythologie wurde sie etwa 2000 v. Christus von dem phönizischen König Cadmus unter dem Namen Lychnidos gegründet. Ausgrabungen haben ergeben, dass Ohrid auf jeden Fall schon im 4. Jahrhundert v. Chr. existierte. 

Ich glaube, das ist ein Kloster. 

Wie gesagt, Katzenstadt

Und noch eine Mieze

Solche Gassen sind überall. Das historische Zentrum ist UNESCO-Weltkulturerbe. 

Auch das hier ist eine nette Idee

Das war die Katzenbande beim Mittagessen. 

Moscheen gibt es auch. 

Ein bisschen Arbeit mit schöner Aussicht und mit Katze

Die Festung ist riesig, aber es sind nur noch die Mauern und einige Türme erhalten. 

Und natürlich hat man eine wunderschöne Aussicht auf den See. 

Cappuccino muss auch sein. Kostet hier €1,50. 

Dieser Turm wurde von Türken gebaut. Im 18. Jahrhundert. 

Noch eine Mieze mitten auf der Straße

Mein letzter Spaziergang

Das war also mein Start in Nordmazedonien. Morgen geht es für vier Wochen nach Skopje und wenn das Wetter mitspielt, sind zwei oder drei Tagesausflüge geplant. 

01/10/2022

Noch einmal Niš

 

Gestern mittag haben die Australier mich zum Busbahnhof in Pirot gebracht und ich bin nach Niš gefahren. Es ging nochmal durch die Berge mit spektakulären Aussichten und vielen Tunneln. Und wieder brauchte der Bus für die etwa 70 km fast zwei Stunden. Hat Ähnlichkeiten mit den Anden. 

Ich hatte mir eine Unterkunft zwischen Busbahnhof und Fußgängerzone gesucht. Zwar über booking, aber ein Studio. Dem Besitzer hatte ich Donnerstag Bescheid gegeben, dass ich gegen 14 Uhr ankommen würde. Ich sollte anrufen, wenn ich da wäre. Was passiert? Ich stehe um 14:20 Uhr vor der Tür, rufe an und der sagt mir, die Putzfrau wäre in zehn Minuten da, würde saubermachen und dann könnte ich rein. Toilettenpapier musste ich auch selber kaufen. Na gut, hätte schlimmer sein können. Das Internet ist schnell und es gibt einen Wasserkocher und einen Minikühlschrank. 

Gestern war das Wetter mit 27°C total warm und sonnig, heute hingegen viel Regen, aber trotzdem 23°C. Der Regen war kein großes Problem und hat mich nicht davon abgehalten, die 4 km zum Ćele Kula zu laufen. 1809 gab es hier einen Aufstand gegen die Türken, bei dem die serbischen Rebellen getötet wurden. 952 Schädel von Getöteten verbauten die Türken in einem Turm, als Warnung an die serbische Bevölkerung. Heute stecken noch 58 Schädel in diesem Turm. Die anderen wurden gestohlen oder beerdigt. Seit 1892 stehen die Reste des Turms in einer Kapelle. 

Hier geht es zum Schädelturm. Eintritt 200 Dinar (ca € 1,60)

Hier bekommt man das Ticket

die Kapelle, in der der Turm steht

Fotografieren nicht so einfach, da der Turm durch Plexiglas geschützt ist


Der Schädel des serbischen Rebellenführers Stevan Sinđelić ist separat zu bewundern. 

Auf dem Rückweg bin ich am Fluss Nišava entlang gegangen und konnte mich an einigen unglaublich hässlichen Gebäuden aus kommunistischen Zeiten erfreuen. In Belgrad gab es ja sehr ähnliche Exemplare: 


In der Nähe des Stadtzentrums gibt es ein Denkmal zur Erinnerung an die Serben, die während der NATO-Bombardierung 1999 ihr Leben verloren haben. Scheiß Kriege. 


Tja, das war Serbien. Sehr interessant und es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen als meine kurzen Eindrücke aus Belgrad, Novi Sad, Niš und Pirot. Trotzdem ist mein Aufenthalt hier nun beendet und morgen geht es weiter nach Nordmazedonien. 

Abschied aus Pirot


So wie oben auf dem Fotos sah es in den letzten Tagen morgens aus. Nebel über dem Dorf. Im Laufe des Tages wurde es dann aber fast immer sonnig und warm. Nur an einigen Tagen kletterten die Temperaturen nur bis 15°C. Das fand ich schon ziemlich kalt und führte dazu, dass ich meine Kleidung etwas ausgewechselt habe. Zwei Kleider und ein Top mussten in Pirot bleiben und wurden durch einen Pullover, ein T-Shirt und eine Leggings ersetzt. Ich bin zuversichtlich, dass ich mit Handgepäck durch den Winter komme. Es ist ja auch ganz nett, öfter mal neue Klamotten zu kaufen. 

Es gab dann noch Katzennachwuchs. Genau genommen war er schon da, aber das hatte niemand gewusst. Die Mieze hier brachte irgendwann ein Junges bzw. versuchte sie es. Die Hunde waren leider nicht damit einverstanden. Einmal schaffte es die kleine Mieze bis auf den Balkon und musste sich dann in den Blumentopf flüchten. Die Existenz des Katzenbabys führte zu etwas Missstimmung zwischen den Australiern und mir. Irgendwie hatte ich gedacht, sie würden sich freuen (Katzenbabys sind doch einfach süß), aber stattdessen bekam ich die Anweisung, die neue Mieze zu ignorieren. Das wiederum habe ich ignoriert und ich hoffe, dass das Katzenkind es schafft, sich ebenso wie ihre Mama doch noch bei den Australiern einzuschmeicheln. Die sind halt Hundemenschen. Ich mochte die Hunde, aber ich mag halt Katzen wesentlich lieber. 

So groß war die Kleine am letzten Tag schon. 

Insgesamt war die zweite Septemberhälfte besser für Spaziergänge, das es nicht mehr so heiß war. Die Natur in Südserbien ist wirklich schön. 

Das letzte Stück den Berg hoch, um zum Haus zu gelangen

Hier werden viele Paprika getrocknet

In Pirot

Das letzte Mal auf dem Weg zum Lidl an der Burg vorbei

10/09/2022

Ruhige Septembertage


Nun ist schon Halbzeit in Pirot für mich. So ein Detox vom Stadtleben ist sehr angenehm, muss ich sagen. Und es ist auch sehr nett mit den Hunden. Poppy ist eine recht ruhige Hundedame, die gerne mal mit der Mieze schmust. Die Mieze hat sich die Australier als Futtergeber ausgesucht. Sie kommt morgens und dann meistens nachmittags noch einmal. Ansonsten geht sie ihrer Wege. Sie hat keinen Namen, daher nenne ich sie Mačka. Das ist das serbische Wort für "Katze". 

Poppy und Mačka auf dem Balkon

Nach Pirot laufe ich so alle vier Tage, um einzukaufen. Zurück geht es mit dem Taxi. Einmal bin ich zu Fuß zurück. Es ist eigentlich nicht weit und auch nicht so tragisch, dass es bergauf geht, aber es gibt so gut wie keinen Schatten und da es noch ziemlich warm ist, ist das dann einfach nur nervig. Wenn ich Glück habe, treffe ich auf meinem Weg zur Stadt auf eine Herde Schafe und Ziegen. Das ist ziemlich lustig. 


Pirot selber ist eine nette kleine Stadt mit allem, was man so zum Leben braucht. Die Burg aus dem 14. Jahrhundert ist wirklich schön. Man kann sie kostenlos besichtigen und sogar die Türme hochsteigen. Ich war bisher zweimal dort und jedesmal komplett alleine. Wahrscheinlich kommen am Wochenende nationale Touristen oder vielleicht auch Bulgaren. Tatsächlich wurde die Burg von Bulgaren erbaut. 



Im Dorf ist es sehr interessant, dass sehr viele Leute Paprika trocknen. Eine Frau hat mir erklärt, dass sie daraus Paprikapulver herstellen. Auch sonst scheint jeder seinen Gemüsegarten zu haben und bei einigen laufen zusätzlich Hühner herum. Sprachlich ist es etwas schwierig. Die meisten sprechen kein Englisch und der Dialekt hier in der Gegend ist sehr speziell. Sie benutzen zum Beispiel viele bulgarische Wörter. Das hat zur Folge, dass die Leute mein A1-Serbisch zwar verstehen, aber dann kommt eine Antwort und ich gucke verständnislos. 



Was die Arbeit betrifft, so habe ich italki für neue Schüler geschlossen und hoffe, dass das auch so bleibt. Gut, vielleicht macht es aus marketingtechnischen Gründen Sinn, in einigen Monaten noch einmal zu öffnen. Ich mache momentan noch ca 15 Unterichtsstunden pro Woche und mehr ist nicht notwendig, weil der Verkauf der Bücher von Monat zu Monat besser läuft. Es macht einfach mehr Sinn, mich darauf zu fokussieren. Zudem ist der September natürlich ein total preiswerter Monat, weil ich keine Unterkunftskosten habe. 

Nachdem ich einige Zeit überlegt hatte, den Winter in Griechenland und der Türkei zu verbringen, habe ich mich nun entschieden, doch an meinem ursprünglichen Plan festzuhalten und mich langsam über Albanien, Montenegro und Kroatien wieder Richtung Deutschland zu bewegen. 


26/08/2022

Dorfleben

Am Montag sind die Australier nach Belgrad zum Flughafen gefahren und natürlich mittlerweile gut in Australien angekommen. Am Sonntag haben sie mich noch ein bisschen durch die Gegend gefahren. Es gibt einige Klöster in der Nähe, aber sie sind nur in der Nähe, wenn man ein Auto hat. Bestimmt haben Mönche heutzutage auch ein Auto. Macht aber nichts, das Haus ist wirklich schön, die Aussicht genial und es ist nett, die Hunde als Gesellschaft zu haben. Im Dorf gibt es eine Bäckerei, zwei kleine Geschäfte, in denen ein liebeswertes Chaos herrscht, so dass man fragen muss, wenn man etwas Bestimmtes sucht. Bis in die Stadtmitte von Pirot laufe ich doch gut 30 Minuten, aber zurück kann ich für 300 Dinar mit dem Taxi fahren. Das sind etwa € 2,50 und macht Sinn, wenn ich im Supermarkt einen größeren Einkauf tätige. Es ist herrlich ruhig hier und ich bin sehr motiviert, an meinem Business zu arbeiten und Sprachen zu lernen. In Pirot gibt es durchaus auch einiges zu schauen. Das werde ich noch machen und fotografieren und dann noch mal etwas schreiben. Bin ja noch eine ganze Weile hier. 

Auf dem Weg zum Dorfladen

Die Aussicht von meinem Balkon-Büro

Auch Poppy geniesst die Aussicht

Das Haus von außen

Spaziergänge mache ich auch

Altes Haus auf dem Weg nach Pirot

Poganovo-Kloster

Kapelle im Poganovo-Kloster

Die Mönche haben eine richtige schöne Aussicht

20/08/2022

Ein Nachmittag in Niš / Ankunft in Pirot

Die Busfahrt von Belgrad nach Niš (Serbiens drittgrößte Stadt) dauerte knapp vier Stunden und war semi-angenehm, denn während der ersten zwei Stunden saß eine ziemlich dicke Frau neben mir, deren Hinterteil sich zum einen ständig zur Hälfte auf meinem Sitzplatz befand und die zum anderen fast die ganze Zeit am Telefonieren war. Sowas stresst mich und als Folge habe ich mir dann erst einmal eine Migräne-Tablette eingeworfen. Anders als in Ungarn gibt es die Tabletten in Serbien zum Glück frei verkäuflich in der Apotheke und sie sind wesentlich billiger als in Deutschland oder Peru. Trotzdem habe ich keine Lust auf Migräne. Da es mit 40°C sehr heiß war, habe ich mir für die 2km bis zum Hotel ein Taxi gegönnt. Der Taxifahrer hat mich allerdings eine Runde abgezockt, wie ich am nächsten Morgen merkte. Busbahnhof - Hotel = 800 Dinar, Hotel - Busbahnhof = 230 Dinar. Minimaler Unterschied. Taxifahrer sind einfach weltweit zu 90% Arschlöcher. Klar, 800 Dinar sind nur knapp 7 Euro, aber es geht ums Prinzip und meine Erfahrung ist, dass Taxifahrer Touristen abzocken, wo sie nur können. 

Nun denn, trotz der Hitze habe ich dann am späten Nachmittag noch einen Spaziergang durch Niš gemacht, aber im Vergleich zu Belgrad oder Novi Sad ist die Stadt ziemlich langweilig. Es gibt eine Festung, aber davon stehen nur noch Reste. Die Fußgängerzone ist nett, aber nicht überwältigend. 

Heute morgen bin ich dann nach Pirot gefahren, wo mich das australische Ehepaar abgeholt hat. Wir haben mich bei der Polizei als Besuch angemeldet (ist in Serbien für Touristen Pflicht, hat aber mein Airbnb-Host in Belgrad nicht gemacht). Nun sitze ich in einem sehr hübschen Haus mit toller Aussicht und zwei netten Hunden etwas außerhalb der Stadt, aber trotzdem nur 20 Minuten zu Fuß bis ins Zentrum. Die Australier werden sich am Montag verabschieden und dann bin ich hier bis Ende September alleine. 

Stadtzentrum Niš

Der Fluss heißt Nišava

Ein VW Käfer in der Festung :-)

Das war eine Moschee, denn Südserbien gehörte mal zum Osmanischen Reich

Ein Lese- und Schreibpavillon mitten im Stadtgarten. Sehr nett. 

Weg zum Stadtgarten

Teil der Festungsanlage

19/08/2022

Noch eine Woche in Belgrad

 Von Szeged aus bin ich mit einem serbischen Van-Service zurück nach Belgrad gefahren. Die haben mich in Szeged am Busbahnhof einsortiert und in Belgrad an meinem Airbnb abgesetzt. Das einzige Problemchen war die Überquerung der Grenze. Das hat auf der ungarischen Seite fast eine Stunde gedauert, obwohl die Schlange vor uns wirklich nicht lang war. Keine Ahnung, was die Ungarn da alles gemacht und geprüft haben. Normalerweise dauert es nicht so lange, ein Land zu verlassen. Auf der serbischen Seite ging es alles superschnell. Kurz Pässe vorzeigen, bei mir Stempel rein und fertig. 

Die Woche in Belgrad verlief dann relativ ereignislos. Einmal war ich mit meinem Airbnb-Host essen, der in Sachen Corona genauso denkt wie ich und letztes Jahr einen gut bezahlten Job in Abu Dhabi aufgegeben hat, weil er sich nicht impfen lassen wollte. Novak Djoković scheint nicht der einzige Serbe mit Prinzipien zu sein :-). 

Auch meinen Juli-Nachbarn vom anderen Airbnb habe ich noch einmal getroffen. Das war ein Amerikaner, der praktisch nur die Hauptstädte besucht und dort in zwei oder drei verschiedenen Stadtteilen wohnt, jeweils für einen Monat. Drei Monate wäre mir zu lange für eine Stadt, aber jeder ist anders. 

Snickers, die Airbnb-Katze, war an den ersten zwei Tagen nach meiner Rückkehr erst etwas zurückhaltend und kam nur, um sich Futter abzuholen. Danach hat sie mir aber doch noch mal ihr Vertrauen geschenkt und kam auch wieder zum Schlafen und Kuscheln. Ich bin heute morgen weg und heute Abend tritt Snickers ihre Reise nach Schweden zu ihrer neuen Familie an. Und für mich beginnt mein Housesitting nahe der bulgarischen Grenze. Dort werde ich bis Ende September sein. 

Letzter Spaziergang durch die Belgrader Altstadt

Es war schön mit dir, Snickers. Alles Gute.