Tja, was soll ich sagen? Der Salar de Uyuni ist einen Besuch wert. Die Landschaft ist surreal, als wäre man auf einem anderen Planet. Die Stadt Uyuni selbst ist entsetzlich, aber damit kann man für zwei Tage leben. Weitaus problematischer sind die Touren. Es ist nicht möglich, den Salar auf eigene Faust zu besuchen und die kürzeste Tour ist eine 1-Tage-Tour. Start morgens um 10:30 Uhr, Rückkehr eigentlich um 19:00 Uhr, in der Realität 20:30 Uhr. Eigentlich würde ein dreistündiger Ausflug vollkommen ausreichen. Stattdessen besteht mehr als die Hälfte der Tour aus Foto-Sessions, bei denen die spektakuläre Natur nur eine Nebenrolle spielt.
Es startet mit dem Friedhof der Züge. Die Provinz Potosí ist bekannt für seine Bergwerke. Früher vor allem Silber, Zink und Blei, heute spielen die enormen Lithium-Vorkommen gerade hier um Uyuni herum eine immer wichtigere Rolle. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Mineralien per Zug abtransportiert, aber irgendwann zogen sich die europäischen Firmen zurück und die Züge verrotteten. So entstand der Friedhof der Züge, der dann zur Touristenattraktion wurde. Man kann auf den Zügen herumklettern und natürlich Fotos machen. Dieser erste Stop dauerte fast eine Stunde und das fand ich schon viel zu lang.
Der nächste Stopp war der obligatorische Souvenir-Läden-Stop, der auch Infos zur Salzherstellung beinhaltete. Das war interessant und mit einer halben Stunde okay.
Danach ging es endlich zum Salar. Um diese Jahreszeit ist er größtenteils trocken, aber es gab auch einen Teil mit Wasser. Wir bekamen alle Gummistiefel und haben dort zu Mittag gegessen. Unser Tourguide hatte Tische und Hocker mitgebracht und Futter. Das war schön. Wir waren so gegen 14:00 Uhr fertig und ab dem Moment wurde es nervig, weil danach nur noch Fotosession-Stops folgten. Ein wenig gerettet hat mich eine Brasilianerin, die ebenfalls allein unterwegs war und sich freute, als ich ihr anbot, sie zu fotografieren. So ging die Zeit zunächst ein bisschen schneller herum.
Zuerst der "Rallye Paris-Dakar"-Stop. Die Rallye fand tatsächlich einige Jahre in Bolivien statt, also haben sie auch daraus eine "Touristen-Attraktion" gemacht.
Danach folgte der Stop "Salz-Kunstwerke". Das war nett, aber mehr als eine Stunde Aufenthalt war wieder übertrieben:
Mittlerweile war es fast 17:00 Uhr und ich dachte, ich hätte es fast überstanden, da man mir bei der Buchung der Tour ja gesagt hatte, wir seien gegen 19:00 Uhr zurück in Uyuni. Pustekuchen. Es standen noch drei Foto-Sessions auf dem Programm. Diese schwachsinnigen Fotos, wo es so aussieht, als sei ein Dino hinter dir her oder die ganze Gruppe muss in die Luft springen oder merkwürdige Posen einnehmen. Das ist alles total fake, aber leider sind diese Fotos Teil der Tour. Ich habe das nicht mitgemacht und musste also warten. Foto-Session 2 war Sonnenuntergang mit Wein auf dem Wasser-Teil des Salars (wegen der Reflexionen). Auch das dauerte ewig und unsere Gruppe war eine der letzten, die endlich abfuhren, als es schon stockdunkel war. Dummerweise folgte dann noch ein Stopp. Im Dunkeln mit irgendwelchen Lichtern, die der Guide mitgebracht hatte. Ich saß im Auto und habe vor mich hingeflucht. Und ich war so müde. Um 20:30 Uhr waren wir dann endlich zurück in Uyuni. Ich muss gestehen, dass ich mich nicht einmal bedankt habe, sondern einfach nur aus dem Auto gesprungen und so schnell wie möglich ins Hotel gelaufen bin.
Nie wieder eine Tour, die länger als vier Stunden dauert. Das ist Stress pur. Zum Glück habe ich heute Ruhetag. Dafür muss ich morgen um 6:00 Uhr morgens am Busbahnhof sein. Das wird dann meine letzte Busfahrt in Bolivien. Und ich glaube, noch einmal werde ich das Land nicht besuchen. Es war nett und interessant, aber die sind in vielerlei Hinsicht einfach noch auf dem Stand der 1990er und ich merke, dass ich dafür keine Geduld mehr habe. Ich brauche einfach Zivilisation und funktionierende Städte, in denen alles vorhanden ist, was ich so brauche.
Zum Schluss noch einige Fotos vom eigentlichen Salar:




















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