Vor vier Jahren habe ich eine Kaffeeplantage in der Nähe von Medellín, Kolumbien besucht und dort auch einen kurzen Ausritt gemacht. Die Gegend war ziemlich bergig und ich hatte zugegebenermaßen ziemlich Panik, vom Pferd zu fallen. Gleichzeitig war es total genial und seitdem habe ich eigentlich immer wieder gedacht, dass ich wirklich gerne reiten lernen und regelmäßig reiten würde. Tja, und welches Land könnte dafür besser geeignet sein als Argentinien? Deshalb hatte ich bei jeder Stadt nach Optionen geschaut. Mir war klar, dass das Nichtvorhandenseins eines Autos ein Problem sein würde. Aber im Chaco bin ich dann fündig geworden. Die Estancia San Rafael liegt nur etwa 30 km nördlich von Resistencia und sie konnten mir anbieten, mich abzuholen und wieder zurückzubringen. Zudem vermieten sie eine Cabaña direkt auf der Farm, dazu Reitunterricht und Ausritte im privaten Naturschutzgebiet der Estancia. Das Komplettpaket inklusive zwei Übernachtungen und Verpflegung hat mich etwa € 80 gekostet. War somit ein No-Brainer, auch wenn ich schon eine Woche Airbnb in Resistencia bezahlt hatte.
Und es hat sich gelohnt. San Rafael ist ein reines Familienunternehmen, die Eltern und drei Kinder im Teenager-Alter. Bei meiner Ankunft am Sonntag waren argentinische Tagesgäste aus der Nähe dort, am Montag war ich der einzige Gast. Die Cabaña liegt neben dem Ziegen- und Schafstall, sodass ich mit dem Mäh der Schafe aufgewacht und eingeschlafen bin. Der nächste Nachbar ist etwa 2 km entfernt, witzigerweise sind das Schweizer. Es war also total ruhig, null Verkehrslärm. Nicht einmal auf der Lodge im Amazonasgebiet, wo ich im November 2020 war, war es so ruhig gewesen, weil dort mehr Menschen waren und vor allem die verdammten Frösche extrem laut sein können :-D.
Die Schafe, Ziegen und Kühe laufen tagsüber frei herum. Hühner gab es auch, aber die blieben in einem großen Stall. Und dazu ca ein Dutzend Pferde, von denen vier für Anfänger und Kinder eingeritten und trainiert sind. Ich hatte also zuerst Unterricht und habe gelernt, wie man einem Pferd Kommandos gibt. Auf Spanisch stoppt man ein Pferd nicht, sondern man bremst (frenar) es, das fand ich lustig. Sie unterrichten nicht die englische Art und Weise, sondern Vaquero-Art, d.h. man hat die Zügel nur in der linken Hand und kontrolliert damit das Pferd. Die rechte Hand brauchen die Vaqueros (Viehhirten) ja, um irgendwas mit den Kühen zu machen. Am Montagabend stand dann ein zweistündiger Ausritt auf dem Programm. Wir sind teilweise durch den Wald geritten und einmal habe ich Bekanntschaft mit ein paar Ästen gemacht, weil ich das Pferd nicht schnell genug nach links lenken konnte. Sind aber nur ein paar Kratzer.
Kurz und gut, es war absolut genial und ich hoffe, dass ich dieses Jahr noch mindestens eine weitere Reitgelegenheit finde.
Frühstück
Morgen steht dann mal wieder eine Busfahrt auf dem Programm, nach Posadas, Hauptstadt der Provinz Misiones.












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