07/09/2025

Von Copacabana nach Sucre

 


Nach dem Wochenende in Copacabana ging es am Montag weiter mit dem Bus nach La Paz. Ich musste gar nicht bis zum Busbahnhof laufen, weil mir auf der Hälfte des Weges ein Bus entgegenkam und wie in den Anden üblich, halten die ja bei jedem möglichen Fahrgast. Der Titicaca-See war die Hälfte der Strecke noch zu sehen, der ist wirklich riesig. Einen minimalen Schreck bekam ich, als der Bus plötzlich auf eine Mini-Fähre fuhr. Bei einer genaueren Inspektion von Google Maps sah ich, dass da tatsächlich ein Stück Straße fehlte. Also setzten sie Holzboote ein, die gar nicht vertrauenserweckend aussahen, aber wir sind heil rübergekommen. 

Die Straße war teilweise extrem schlecht. Ich war froh, dass mein Frühstück unten blieb. Der letzte Teil durch La Paz dauerte zudem ewig lange. Wir sind zunächst durch El Alto gefahren und es wäre sinnvoll gewesen, dort auszusteigen, weil dort der Flughafen ist und mein Hotel dort lag. Allerdings hatte ich gelesen, dass El Alto einen ähnlich schlechten Ruf hat wie Callao (wo der Flughafen von Lima liegt), also blieb ich sitzen. Natürlich endete die Fahrt nicht am großen Busbahnhof von La Paz, sondern irgendwo in der Stadt. Zwei Versuche, ein Uber zu bekommen, scheiterten. In einen überfüllten Mikrobus wollte ich nicht, Taxi auf der Straße anhalten schon gar nicht.  Also bin ich eine halbe Stunde bis zur passenden Teleférico-Station (Seilbahn) gelaufen, die mich in El Alto in der Nähe meines Hotels absetzen würde. 

War eine gute Entscheidung, denn so habe ich La Paz und El Alto ein bisschen von oben gesehen. Etwa 10 Minuten dauert die Fahrt und je höher es ging, desto mehr sah es unter mir wie eine Favela aus. Die Teleférico-Station war aber sehr modern und dort konnte ich dann auch ein Uber rufen, das mich zu meinem Hotel gebracht hat. Dort habe ich mich dann nicht mehr weggerührt. 





Am nächsten Tag hatte ich dann zwei kurze Flüge und viel Wartezeit. Jeder Flug gut 30 Minuten und an den Flughäfen La Paz/El Alto jeweils drei Stunden am Flughafen abhängen. War eine beschissene Verbindung, aber mit dem Bus hätte es noch länger gedauert und am Flughafen konnte ich zumindest Cappuccino trinken und arbeiten. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut das Internet mittlerweile auch in Bolivien ist. 

Gegen 19:00 Uhr kam ich in Sucre an. Mini-Flughafen und es warteten exakt drei Taxifahrer auf eventuelle Fahrgäste. Ich muss dazu sagen, dass das Flugzeug ebenfalls mini war, 13 Reihen und jeweils nur vier Plätze pro Reihe. Die meisten Passagiere wurden abgeholt und die drei Taxifahrer teilten den Rest unter sich auf. Ich hatte noch eine andere Person im Taxi und musste für die 30 km bis zu meinem Airbnb nur etwa 7 Euro bezahlen. 

So bin ich also jetzt in Sucre, eine sehr wuselige, aber nicht allzu große Stadt mit einem sehr schönen historischen Zentrum. Es ist eigentlich auch Hauptstadt, hier wurde vor exakt 200 Jahren die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben. Da es "nur" auf 2800 Metern Höhe liegt, ist auch das Wetter viel angenehmer. Trotzdem habe ich es leider geschafft, mir eine Erkältung einzufangen. Eigentlich nur Schnupfen, aber es nervt und ich hoffe, dass es schnell wieder vorbei ist. 

Zu Sucre gibt es dann noch einen extra Post. 

01/09/2025

Copacabana, Bolivia

 


Nun bin ich also zum zweiten Mal in Bolivien. Immer noch am Titicaca-See. Die Fahrt von Puno bis hierher hat etwa zwei Stunden gedauert - woran man sehen kann, wie riesig dieser See ist. Die Grenzüberquerung war superschnell. Keine Fragen von den Bolivianern und die Peruaner haben meinen Pass gestempelt. Das fand ich nett, denn am Flughafen machen sie das ja nicht mehr. Konnte auch gleich an der Grenze fix ein paar Soles in Bolivianos wechseln, so dass ich schon etwas Bargeld hatte. Habe dann aber auch problemlos einen Automaten gefunden, der mir 1000 Bolivianos gespuckt hat. Das sind momentan ca 125 Euros. Bolivien hat gerade eine relativ hohe Inflation - was für Besucher ja immer angenehm ist. 

Mein Hotel ist ein Traum, was die Aussicht und das Zimmer betrifft, aber das Personal ist praktisch nicht existent. Es gibt eine Rezeption, wo man klingeln muss, und vielleicht kommt dann jemand, vielleicht aber auch nicht. Morgens bekommt man sein Rührei von einem sehr wortkargen Typen serviert, den Rest muss man sich selber zusammensuchen, Erklärungen gibt es nicht. 

Mein Zimmer - 3 Nächte für 68 Dollar inklusive Frühstück

Die Aussicht von meinem Zimmer. Die Terrasse gehört auch zum Hotel

Frühstücksraum

Da das Zimmer so extrem gemütlich und hübsch war und ich nach den zwei Tagen mit Touren in Puno auch nicht extrem viel Lust auf Aktivitäten hatte, hatte ich ein ruhiges Wochenende. Bin nur einmal einen Hügel hochgelatscht und war zweimal im Stadtzentrum, um etwas zu futtern. Aber es ist ein nettes kleines Städtchen und der See ist wirklich traumhaft. Der Ausblick hat mich zum Arbeiten motiviert, sodass ich am Wochenende einiges geschafft habe 😀. 

Morgen geht es mit dem Bus nach La Paz und von dort am Dienstag mit Flugzeug nach Sucre, wo die Temperaturen dann tagsüber wieder höher sind. Hier waren es heute gerade mal 12°C - aber zum Glück mit strahlendem Sonnenschein. 
















29/08/2025

Sillustani

 

Blick auf Puno und den Titicaca-See (bzw einen Teil davon)

Heute stand eine Nachmittagstour auf dem Programm. Ziel war Sillustani, eine Grabstätte, die schon vor den Inkas genutzt wurde. Sie errichteten Türme, in denen die gesamte Familie begraben wurde, wenn das Familienoberhaupt starb. Das heißt, Ehefrauen und andere Verwandte mussten dem Familienoberhaupt in den Tod folgen, damit die Familie zusammenblieb. Nur die Kinder blieben logischerweise verschont. 

Auf dem Weg nach Sillustani haben wir erst an einem Mirador Halt gemacht, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht auf Puno und den Titicaca-See hatte. Gut, Puno sieht nicht wirklich schön aus, weil sie halt aus steuertechnischen Gründen ihre Häuser im halbfertigten Zustand lassen. 

Der nächste Halt war der obligatorische Tourist Trap, wo man uns in einem Dorf vor einem Haus absetzte, um Souvenirs zu kaufen und Fotos mit Lamas zu machen. Da meine Gruppe anders als gestern irgendwie nicht sympathisch war, bin ich einfach abgehauen und durch das Dorf spaziert. Plötzlich hat mich dann eine winzige alte Frau in einer Mischung aus Aymara und Spanisch in ihr Haus eingeladen. Das war auch winzig. Und dunkel. Aber sie hatte Coca-Bonbons und die wollte sie mir unbedingt verkaufen. Nun, sie hat es geschafft. Ich habe ihr 20 Soles gegeben und bekam dafür eine Handvoll Bonbons. War zwar etwas überteuert, aber ich mag die Dinger und irgendwie hatte ich den Eindruck, die alte Frau brauchte diese umgerechnet 5 Euro dringender als ich. 

An Sillustani selbst fand ich die Grabstätte gar nicht so beeindruckend, aber das Ganze liegt an einem wunderschönen See, der Laguna de Umayo und die Aussicht war spektakulär. Allerdings war es oben fies kalt und windig. Nichts ist perfekt. 

Morgen geht es nun weiter nach Bolivien. 




Cuys - werden irgendwann auf dem Teller landen





Das ist so ein Grabturm (Chullpa)




Mit der Insel hat man nichts gemacht, die ist von Natur aus so platt. 


28/08/2025

Islas Flotantes Uros

 


Die Woche in Lima ging sehr schnell herum. Viel Arbeit, viel Zeit mit Sergio und Jessica. Gestern bin ich dann nach Juliaca geflogen. Gut eine Stunde Flugzeit von Lima aus und der nächstgelegene Flughafen, wenn man den Titicaca-See besuchen möchte. Danach noch einmal eine Stunde Fahrt bis Puno. Sowohl Juliaca als auch Puno sind ziemlich hässliche Städte. Die bauen ihre Häuser nicht fertig, weil sie dann weniger Steuern bezahlen. Als Folge davon ist das Stadtbild einfach hässlich. Völlig normal in Peru, auch in den weniger schicken Stadtteilen von Lima. 

Gut, aber ich wollte ja keine Stadtbesichtigung machen. Mein Hotel hier in Puno ist leider auch nicht schön. Ich hasse es, wenn mein Zimmer kein Fenster hat. Und so leicht anstrengend ist die Höhe von knapp 4000 Meter auch wieder. Kopfschmerzen und wenig Energie. Aber genug mit der Meckerei. Ich bin ja wegen des Sees und der Kultur hier, also habe ich heute die Islas Flotantes (Uros) besucht. Wie nennt man das auf Deutsch? Schwimmende Inseln? Das fand ich immer faszinierend und es war genial, es nun einmal in natura gesehen zu haben. 

Man fährt von Puno aus 30 Minuten mit dem Boot nach Uros. Die Bewohner bestimmen, welche Inseln besucht werden dürfen, denn viele sind sehr klein und jede Gruppe bekommt so die Gelegenheit, ca zweimal im Monat etwas direkt an Touristen verkaufen zu können. Ich habe das nicht privat gemacht, sondern mit einer kleinen Tour. Wir waren drei Portugiesen (mal was anderes), zwei Peruaner aus Lima und ich). 

Ja, wenn man auf der Insel ist, sieht man, dass sie sich bewegt. Wegschwimmen kann sie nicht, weil sie verankert ist. Aber die Bewohner können entscheiden, ihre Insel woanders hinzubringen. Machen sie aber nicht oft. Früher haben sie vom Fischfang gelebt. Heute fangen sie nur noch für den Eigenbedarf Fische und ihre sonstigen Einnahmen kommen vom Tourismus. Da keinerlei Landwirtschaft und auch Hühnerhaltung nicht möglich ist, müssen sie Obst, Gemüse, Eier und Fleisch in Puno kaufen. 

Normale Geburten finden auf den Inseln statt und es gibt auch eine Krankenstation auf einer der größeren Inseln. 

Das ist noch Puno. 

Candelaria - Wichtiges Fest in Puno

Hier geht es zum Hafen

Das ist schon die kleine Isla Flotante, die wir besucht haben. 

Wenn Besucher kommen, breiten sie alles aus, was sie hergestellt haben. 

Das ist Jenny, "la presidenta" der Mini-Insel

So sehen ihre Häuser von innen aus. Ein Raum, eigentlich nur ein Bett, das war's. 



Überraschung, es gab eine Katze auf der Mini-Insel

Besucher und Bewohner

Dieses Boot hat uns nach Uros gebracht

Mit diesem Boot haben wir eine 20minütige Fahrt gemacht.