11/04/2025

Auf den Spuren von Oma Alfia und Opa Leonardo

 

Ich weiß gar nicht mehr, wann die sizilianische Herkunft von Sergios Großeltern das erste Mal richtig Thema war. Und die Möglichkeit, einen italienischen Pass zu bekommen. Vor zwei Jahren hat er erfolglos versucht, in Catania etwas herauszufinden. Das konnte nicht klappen, denn Oma Alfia wurde in Acireale geboren und Opa Leonardo in Giarre, beides Städte nördlich von Catania. Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich mich um die Sache kümmere und habe über einen Argentinier hier auf Sizilien zunächst einmal die Geburtsurkunde von Leonardo besorgen lassen. Das hat Ewigkeiten gedauert. Bei Oma Alfia gab es das zusätzliche Problem, dass wir nirgendwo das genaue Geburtsdatum finden konnten, irgendwann zwischen März und November 1908. Bin ich also mit meinen rudimentären Italienisch-Kenntnissen zum Rathaus hier in Acireale gestiefelt und habe dem Archivar irgendwie erklären können, was ich möchte. Er war sehr nett, sprach aber nur Italienisch und dazu noch sizilianischen Dialekt, der einfach extrem schwer zu verstehen ist. Aber es hat geklappt, Oma Alfia wurde am 19. Oktober 1908 geboren und der nette Archivar hat mir den Auszug aus dem Geburtsregister innerhalb von einem Tag aus den alten Büchern herausgesucht. 

Das Rathaus an sich war schon ein Abenteuer. Ein ganz altes Haus neben einer Kirche, "bewacht" von einem alten Portier, dem man erst erklären musste, was man wollte. Sobald man drinnen war Zeitsprung so ungefähr in die 1950er von den Möbeln und dem ganzen Ambiente her. Aber sie haben Computer, doch, doch. Aber man wartet wie in alten Zeiten vor dem Büro des zuständigen Mitarbeiters. Nichts dämliche Großraumbüros, jeder hat sein Zimmerchen. 

Die Stadt Acireale ist sehr nett. Mit 50.000 Einwohner nicht zu klein, aber auch nicht riesig. Im Zentrum überall diese engen Gassen, wo nur ein Auto durchpasst und als Fußgänger muss man sich fast an die Hauswand quetschen, denn Bürgersteige gibt es so gut wie keine. Mein Airbnb ist in einem Minihaus mit einem Zimmer unten und einem Zimmer oben, aber alles frisch renoviert und modern eingerichtet. Ist allerdings kalt hier drin. Erinnert mich an Portugal. Drinnen mit Pullover, draußen in der Sonne ohne. Insgesamt könnten die Temperaturen ruhig schon etwas wärmer sein. 15°C ist noch nicht so das Wahre. Soll sich jetzt aber ändern, was die Sizilianer freuen wird, denn Ostern startet die Touristensaison. 

Heute bin ich mit dem Zug ins 15 km entfernte Giarre gefahren.  Die Stadt ist etwa halb so groß wie Acireale, ebenfalls mit einer großen Kathedrale in der Mitte. Giarre liegt praktisch zwischen dem Ätna und dem Meer. Leider hatte der Ätna sich heute unter den Wolken versteckt. Er ist momentan auch recht ruhig, kaum große Eruptionen. In Leonardos Kindheit und Jugend gab es einige heftige Ausbrüche des Ätna, habe ich gelesen. Gut, eigentlich spuckt der Ätna regelmäßig. Anders als der Vesuv bei Neapel ist es aber kein explosiver Vulkan, d.h. die Lava kommt nicht mit Schwung aus dem Hauptkrater, sondern aus tiefer gelegenen Nebenkratern. 

Acireale:








Acireale hat keine richtigen Strand, aber man ist in 30 Minuten am Meer. Entweder die Straße entlang, was wegen der Autos ziemlich doof ist oder über einen kleinen Fußgänger-Pfad, den ich für den Rückweg entdeckt hatte. 






Die italienischen Züge mochte ich ja schon vor zwei Jahren. Jetzt kann man über die App die Fahrkarte nicht nur kaufen, sondern auch problemlos Zeit und/oder Datum ändern. Im Fall von Acireale ist es allerdings blöd, dass man vom Zentrum aus 30 Minuten bis zum Bahnhof laufen muss. Deswegen werde ich nächste Woche wieder mit dem Bus nach Catania zurückfahren. 

Giarre:







04/04/2025

Catania - Ankunft auf Sizilien


Vor fast genau zwei Jahren habe ich mich mit einem Tag in Catania von Sizilien verabschiedet und bin nach Rom geflogen. Diesmal starte ich meinen Sizilien-Aufenthalt mit einer Woche Catania. Mein Airbnb hat fünf Zimmer, die alle einzeln vermietet werden, auch über Booking. Es ist noch eine digitale Nomadin aus Sardinien hier, mit der ich mich öfter unterhalte. Allerdings auf Englisch, denn sie hat einige Jahre in London gelebt. Ansonsten höre ich ab und zu Leute, sehe aber niemanden. Ist also sehr entspannt. Der nächstgelegene Supermarkt ist ein Lidl, sodass ich ebenso wie in Deutschland jeden Morgen Brötchen holen gehe. 







Gestern hatte ich einen Termin beim Finanzamt, um eine Steuernummer zu bekommen. Nein, ich möchte keine Steuern zahlen, aber so eine Nummer wird überall abgefragt und da sie nichts kostet, dachte ich mir, ich hole sie mir einfach mal. Das hat zwar geklappt und ich habe ein Papier bekommen, aber sie schicken auch noch etwas. Dummerweise dauert das 20 Tage. Hoffentlich kann mein Airbnb-Host in Acireale das in Empfang nehmen und entweder nach Deutschland oder an meine nächste Adresse schicken. Das Finanzamt liegt ziemlich außerhalb, sodass ich mit dem Bus hingefahren bin. Zurück bin ich dann gelaufen, weil es ein ganzes Stück an der Küste entlang ging. 









Heute konnte ich meine Codice fiscale dann schon in Action sehen, als ich eine prepaid-SIM gekauft habe. Sie erschien sofort, als sie meinen Namen und Geburtsdatum eingegeben haben. Fast schon ein bisschen beängstigend. Dafür habe ich ab jetzt 200 GB Data pro Monat in Italien und 13 GB im EU-Ausland. Für 10 Euro. Da kann man doch nicht meckern. Das Wetter ist jetzt auch wunderbar, wenn es auch morgens und abends noch recht kühl ist. Und ich trinke jeden Tag einen Cappuccino für 2 Euro in einem Mini-Café um die Ecke. 


31/03/2025

Mit Nahverkehrszügen quer durch Deutschland

 
Frühling in Heidelberg

Wenn man ein Deutschland-Ticket hat, dann muss man es auch nutzen und so habe ich mich auf das Abenteuer eingelassen, mit Nahverkehrszügen von Herford nach Ludwigshafen zu fahren. Ungefähr sieben Stunden sollte es dauern, aber leider, leider fing es schon mit einer Störung in Bielefeld an, die dazu führte, dass ich nicht wie geplant aus Herford wegkam. Als nächstes habe ich es in Köln irgendwie geschafft, in den falschen Zug zu steigen und bin statt nach Koblenz nach Euskirchen gefahren, also nach Westen statt nach Süden. Als ich es dann endlich bis Koblenz geschafft hatte, hatte der nächste Zug eine halbe Stunde Verspätung. Insgesamt dauerte meine Reise deshalb 10 Stunden für ca 400 km. 

Thiago hat mich vom Bahnhof abgeholt und wir hatten drei nette Tage zusammen. Natürlich haben wir uns auch mit Jaci in Heidelberg getroffen. Da konnte ich dann das Deutschland-Ticket nochmals nutzen. 

Heute ging es dann nach Basel. Wieder mit Nahverkehrszügen und diesmal hat es ausgezeichnet geklappt. Nur minimale Verspätungen. Der Euro-Airport gefiel mir allerdings gar nicht. Er war größer, als ich gedacht hatte, aber null Atmosphäre und keine Möglichkeit, etwas Anständiges zu essen. Konnte mir nur ein eingepacktes Sandwich kaufen. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich trotz Schweizer Preise am Bahnhof in Basel gefuttert und wäre danach erst zum Flughafen gefahren. Beim nächsten Mal bin ich schlauer. Der ganze Ablauf am Flughafen war okay, aber die hatten eine neue Schikane: Ich musste meinen Fön aus dem Rucksack holen. Meine Flüssigkeiten hatte ich ja schon in Herford schön ordentlich eingetütet. 

Catania hat mich mit Regen begrüßt und die Temperaturen sind nicht höher als in Deutschland. Morgen soll es richtig pladdern  und maximal 13°C, ab Mittwoch wird es dann freundlicher. Sollte es auch, denn ich habe die Winterjacke bei Thiago gelassen.  

Thiagos Mieze Franzi

Und Flummi

20/03/2025

Eine lange Reise von Buenos Aires nach Herford

Herford, Zentrum

Gleich vorneweg: Es war eine gute Entscheidung, in Etappen von Argentinien nach Deutschland zu reisen. Alle Flüge waren pünktlich und ich war nur tagsüber unterwegs. Perfekt. Los ging es am Sonntag mit dem Flug von Buenos Aires nach São Paulo. Ich hatte ein nettes Hotel im Zentrum von Guarulhos, konnte ein paar Einkäufe erledigen und pão de queijo essen. Am Dienstag war der lange Flug von São Paulo nach Madrid dran. Abflug um 10:00 Uhr, Ankunft kurz vor Mitternacht Ortszeit. Kurze Taxifahrt ins Hotel - 22 Euro. Autsch. Aber Kartenzahlung direkt beim Taxifahrer möglich. Da das Hotel doch sehr außerhalb lag und auch das Wetter nicht so super war, habe ich am Mittwoch einen Arbeitstag eingelegt und bin nicht ins Zentrum von Madrid gefahren. Am Donnerstag dann der letzte Flug nach Düsseldorf. Dort habe ich gleich eine gute Tat vollbracht und zwei peruanischen Touristen geholfen, eine Fahrkarte nach Köln zu bekommen und sie am richtigen Gleis abgesetzt. Die waren sehr happy, dass sie Spanisch mit mir sprechen konnten. Mein eigener Zug fuhr pünktlich ab, aber vor Herne gab es dann eine Signalstörung, sodass ich eine Stunde später als geplant in Herford ankam. Das nervte zwar in dem Moment, aber letztlich war es kein großes Drama. 

Ich glaube, dieser Air China-Flug war meine bisher angenehmste Atlantik-Überquerung. Tagsüber zu fliegen funktioniert einfach besser für mich, alles unter 10 Stunden Flugzeit ist auch so halbwegs erträglich und die Zeitverschiebung von nur vier Stunden war ebenfalls hilfreich. 

Gerade habe ich eine SEHR soziale Woche hinter mir: Griechisch essen mit drei ehemaligen Klassenkameradinnen, Besuch bei Ana in Bünde, Treffen mit meiner Mutter, Kaffeetrinken mit einer anderen ehemaligen Klassenkameradin, Treffen mit Silke und heute dann Fahrt nach Bad Salzuflen mit Jutta. Dort habe ich ein paar Fotos gemacht. Deutschland ist schon hübsch mit den alten Häusern, das muss ich einfach mal sagen. 












Jetzt bin ich noch eine Woche hier und dann geht es weiter zu den Kindern und danach ab nach Sizilien. 

01/03/2025

Nun ist der Februar schon vorbei

Und damit mein letzter kompletter Monat in Argentinien. Der Umzug von Tigre nach Buenos Aires war eine Uber-Fahrt von 20 Minuten, weil mein Airbnb ganz im Norden von Buenos Aires liegt, im Stadtteil Saavedra. Man kommt mit dem Zug oder mit dem Bus in die "interesssanteren" Stadtteile, aber ich habe mich hier ganz gut eingerichtet. 

Sergio war knapp drei Wochen in Buenos Aires und La Plata und ist heute zurück nach Lima geflogen. Es geht voran mit der Implementierung von Automatisierungstools und wir machen weiter. Auch seine Website werde ich nochmals optimieren, da ist ja seit Mai 2023 gar nichts mehr passiert. Er wird mir nun jeden Monat etwas Geld überweisen, was für den Start in Sizilien natürlich hilfreich sein wird. 

Wir sind einmal zum Riverplate-Stadium gelaufen und er hat dort jede Menge Fotos gemacht. Riverplate ist seine Lieblings-Fußballmannschaft und das Stadium ist nicht so weit von hier, ca 30 Minuten zu Fuß. Allerdings habe ich gerade festgestellt, dass ich an dem Tag nicht ein einziges Foto mit meinem Handy gemacht habe. Das muss daran liegen, dass ich Fußball nicht interessant finde. 

Immerhin habe ich ein Foto von einem Matebecher mit Messi im Park gemacht. Der Parque Saavedra liegt zwei Straßen weiter und von Freitag bis Sonntag gibt es dort Verkaufsstände. Gekauft habe ich allerdings nichts. Einmal war ich in einer Mall, habe mich aber entschieden, kein Geld mehr für die teure und qualitativ katastrophale Kleidung hier auszugeben. Stattdessen wird mich ein Amazon-Paket bei Jutta erwarten. Hurra. 

Meine Ausreisegenehmigung für Argentinien habe ich auch schon. Hat wie erwartet knapp 40 Euro gekostet und es gab keinerlei Fragen, warum ich mein Visum vier Monate überzogen habe. 


Mate-Zubehör ist GANZ wichtig

Und diese Mieze hätte ich am liebsten adoptiert. Sehr freundlich und sehr fluffig. 


So landen die Flugzeuge in Aeroparque. 

Río de la Plata

Park am Río de la Plata

Aussichtshügel am Río de la Plata

Im März wird es ein Länder-Hopping geben: Argentinien - Brasilien - Spanien - Deutschland - Schweiz - Italien. Trotz aller Probleme und trotz der unglaublich hohen Preise, die wir hier jetzt haben, wird mir der Abschied von Buenos Aires schwerfallen. Aber ich freue mich auf die gut zwei Wochen in Deutschland und bin dann natürlich gespannt, was mich im April in Sizilien erwartet. Eine Woche Airbnb in Catania habe ich gebucht, um entspannt anzukommen.